Wie wir jedes Jahr den Wirtshausführer neu denken

Es begann vor 22 Jahren. Das Buch hieß damals „Wo isst Österreich?“ und erscheint seit 2012 unter dem Titel „Wirtshausführer Österreich“ jährlich neu aktualisiert als Printprodukt im Buchhandel und als Online-Plattform im Netz. Drinnen sind 1.000 ausgewählte Wirtshäuser in Österreich, über 250 im angrenzenden Adriaraum und mehr als 250 Top-Winzer. Zusammen mit Renate Wagner-Wittula bilden wir, die Wein4tler Neudenker-Gründer, Elisabeth und Klaus Egle, das Herausgeber-Trio. Im Herbst heißt es nach jeder Wirtshausführer Präsentation: „Nach dem Wirtshausführer ist vor dem Wirtshausführer“.

Fotos: Christoph H. Breneis

V.nr.: Klaus Egle und Elisabeth Egle freuen sich mit dem neuen Wirtshausführer Winzer 2021 Stefan Krispel von Weingut Krispel in der Steiermark, Wirtshausführer Wirt 2021 Wirtepaar Nicole Herzog und Metin Yurtseven von „Zum Alten Beisl“ in Wien und Wirtshausführer Weinmensch 2021 Martin Kusej Burgtheaterdirektor Wien und Renate Wagner-Wittula.

Jetzt sind wir selbst für unseren Erfolg verantwortlich, und das ist gut so.

Was heißt „jährlich neu aktualisiert“?
Wir denken den Wirtshausführer jedes Jahr neu. Bevor wir starten, evaluieren wir die erschienene Ausgabe. Was ist gut angekommen, wie war das Feedback, was braucht es zur Attraktivierung, wie lautet das Marketingziel, wie das Kommunikationsziel für die neue Ausgabe. Renate Wagner-Wittula, sie ist für die Wirte zuständig, startet mit der Aussendung an die Wirte Anfang des Jahres. Die Wirte bekommen einen Fragebogen, optimieren ihre Daten und ergänzen, wenn sie Neues anbieten. Bis zu drei Mal muss sie bei manchen Wirten nachfassen, denn das Tagesgeschäft nimmt die Gastronomen sehr ein. Danach kommen die Winzer dran, parallel reden wir mit unseren Marketingpartnern, unsere Kulinarikredakteure werden gebrieft, die Fotos und Etiketten müssen wir einsammeln, wir leisten uns einen Lektor, der alle Texte durchgeht, im Sommer geht das fertige und gefühlt bis zu 100 x gelesene Layout in die Druckerei Theiss nach Kärnten wo es auf FSC-zertifiziertem Papier aus nachhaltigen Quellen gedruckt wird. Wir propagieren die Initiative „Nachhaltig Wirten“ – da muss auch das Papier auf dem wir drucken dazu passen. Dann haben wir eine kurze Verschnaufpause. Wenn andere Urlaub machen, bereiten wir die Präsentation des neuen Führers vor.

Da wir ein Führer für ganz Österreich sind, variieren wir bei unserer jährlichen Präsentation und den Auszeichnungen zwischen den Bundesländern mit dem neuen „Wirtshausführer Wirt des Jahres“. In Kooperation planen wir den Event, verschicken die Einladungen, bereiten die Urkunden vor, fassen nach bei den Gästen, checken den Ablauf, schließen den Wirtshausführer Wirt mit dem Wirtshausführer Winzer zusammen, besprechen das Menü und die Weinbegleitung, beauftragen den Pressefotografen, bestimmen die Pressefotos, erstellen die Presseaussendung … und kurze Zeit später beginnen wieder die Gespräche mit den Marketingpartnern – für die nächste Ausgabe.

Wieviel Arbeit bedeutet so eine neue Ausgabe?
Mächtig viel Arbeit, und man muss auch arbeiten wollen. Uns kommt zugute, dass wir die Verantwortlichkeiten klar verteilt haben und sich jeder auf den anderen verlassen kann. Der Wirtshausführer beschäftigt uns ein ganzes Jahr. Es gibt extrem dichte Phasen und dann wird es wieder luftiger. Wir finanzieren den Guide über mehrere Standbeine und die verlangen alle höchste Aufmerksamkeit. Wir überlegen uns neue Angebote und interessante Kriterien, die den Guide attraktiver machen, dann geht es auch um das Finden von neuen Lokalen und Winzern. Unser Team besteht aus freien Mitarbeitern und wir drucken in Österreich. Das ist uns wichtig, denn wir heißen „Wirtshausführer Österreich„. Viele Jahre haben wir den Wirtshausführer mit einem Verlag zusammen herausgegeben, waren aber immer für die Finanzierung des Produktes zuständig. Jetzt sind wir selbst für unseren Erfolg verantwortlich, und das ist gut so.

Wie hilft da die Digitalisierung?
Es geht um die Verschränkung von Print und Online, aber klar ist inzwischen Online der Treiber. Immer wieder überlegen wir, den gedruckten Guide sein zu lassen, aber wir sprechen mehrere Zielgruppen an. Und es geht auch um die Sichtbarkeit im Buchhandel. Von Vorteil ist der gigantische Content, den wir für unsere Online-Aktivitäten nutzen. Unser Glück ist, dass wir als Werbetreibende wissen, wie man eine Marke führt und als Journalisten verstehen wir das redaktionelle Schreiben. Das Entwickeln von Promotions und verkaufsfördernden Maßnahmen sind unser täglich Brot im Agenturgeschäft. Für die Grafik und die Programmierung arbeiten wir mit Experten zusammen. Da wir alles aus dem Cash Flow finanzieren, ging das immer nur Schritt für Schritt.

Heuer ist uns die Entscheidung, das Buch zu produzieren, bedingt durch den ersten Corona-Lockdown, nicht leicht gefallen – immerhin tragen wir allein das gesamte finanzielle Risiko. Am Ende erwiesen sich aber die langjährigen, guten und sehr oft persönlichen Beziehungen zu unseren Wirten, Winzern und Marketingpartnern aber auch in dieser für alle schwierigen Zeit als tragfähig und das Werk konnte gelingen. Allen, die dazu beigetragen haben, also auch allen unseren Mitarbeiter, die dafür Großes geleistet haben, sind wir dafür sehr dankbar und verstehen das auch als Auftrag, unseren Weg innovativ und zukunftsorientiert weiter zu gehen.

Wirtshausführer Österreich
Elisabeth Egle, Renate Wagner-Wittula und Klaus Egle
Tel.: 0660 34 00 332
elisabeth.egle@gourmedia.at
Feuerwehrgasse 9
2134 Staatz/Enzersdorf
Herklotzgasse 35
1150 Wien
www.wirtshausfuehrer.at





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