Wie das Gastronomen-Ehepaar Forstreiter ein Zuhause auf Zeit schafft

Gelegen in Unterretzbach befindet sich die Adresse „Weinberg 6“Durch ein mächtiges Tor gelangt man in den Innenhof – eine unerwartete Idylle und der perfekte Rückzugsort im Herzen des schönen Weinbauortes tut sich auf. Die Betreiber dieses Juwels sind Maria Reitner und Bernhard Forstreiter. In Steyr in Oberösterreich betreiben sie höchst erfolgreich das Wirtshaus Franz Ferdinand. Dort hegen und pflegen sie inmitten historischen Ambientes eine herrliche Alpe-Adria-Küche und handeln mit Wein aus dem Weinviertel, Friaul und der Toskana. Ihre Urlaube verbringen sie am liebsten in restaurieren historischen Häusern, kochen dort selbst und leben sich auf Zeit in die dörfliche Struktur ein. Am meisten schätzen sie die Gastfreundschaft der ansässigen Gastgeber, die mit viel Engagement und Liebe ihre alten Häuser top hergerichtet haben und ihre Gäste für kurze Zeit zum Teil des Ganzen werden lassen.

Für das Gastronomen-Ehepaar war das der Ansporn, selbst so etwas Besonderes zu schaffen. Zum Weinviertel hatten sie schon immer einen speziellen Bezug – seit 1994 gehören Bernhard Forstreiter zwei Hektar Weinberge in der Nähe von Unterretzbach. Hier fanden sie ein heruntergekommenes Bauernhaus, an dem noch kein Eigentümer vor ihnen „herumgedoktert“ hatte und das exakt ihre Ferienhaus-Kriterien mit integrierter Kochschule und einem Paket an Urlaubserlebnissen erfüllte. 

Interview & Fotos: Elisabeth Egle und Klaus Egle

Etwas zum Teilen mit Menschen, die unser Tun schätzen, ist immer schon Teil unserer Unternehmungen gewesen.

Maria Reitner, wie kommt man auf die Idee, ein großes 350 Jahre altes, aber komplett kaputtes Bauernhaus aus Lehmziegeln in Unterretzbach zu kaufen, aufwändigst zu sanieren und jetzt als Ferienhaus zu vermieten? 
Durch die eigene gastronomische Tätigkeit sind wir immer wieder mit den Sehnsüchten und Bedürfnissen von Gästen und Kunden direkt konfrontiert. Da beginnt man nachzudenken. Und dazu kommen unsere eigenen Reisen in Regionen wie Istrien, Friaul und die Toskana. Dort haben wir die Verbindung von Tourismus und Kulinarik sehr zu schätzen gelernt. So haben wir im Jahr 2015 in einem wieder aufgebauten Steinhaus in Istrien gewohnt, das ein Künstler der Region nicht dem endgültigen Verfall preisgab, sondern dem Haus mit viel Gefühl und know how wieder neues Leben einhauchte. Das war für uns der Anstoß, auch so ein Zuhause auf Zeit für Menschen zu schaffen. 

Heute ist dieses Bauernhaus, höchst aufwendig renoviert, fertig. Rechnet sich soviel Mut und Einsatz? 
Uns treibt Mehreres. Etwas zum Teilen mit Menschen, die unser Tun schätzen, ist immer schon Teil unserer Unternehmungen gewesen und wird es auch weiterhin sein. So haben wir uns für die Vermietung als Ferienhaus entschieden. Es ist uns auch ein Anliegen, altes Wissen und vorhandene Ressourcen so zu nutzen, dass sie den modernen Anforderungen gerecht werden und Altes erhalten bleibt. Hier war vor allem unser Ziel, den historischen Lehmbau, in dem Fall aufgeschichteter Lehm und Lehmziegelbau, zu erhalten. Ein Profi auf dem Gebiet ist Bernhard Wallner. Er hat uns Mut gemacht und auch die vielen anderen engagierten Menschen, die dieses Projekt mit uns umgesetzt haben. Die alten, wunderschönen Zementfliesen, alle Innentüren und die Kastenfenster waren schon da …. die haben wir genauso wieder eingearbeitet und restauriert. Ganz klar ist es auch eine große finanzielle Herausforderung. Daher ist unsere Idee, dieses Objekt auch wirtschaftlich sinnvoll zu nutzen. 

Unsere Gäste sind Menschen, die das Persönliche und Nachhaltige suchen.

Entsteht so eine Idee am Papier oder geht man da vorher einige Umwege?
Eigentlich ist es eine langjährige Vision, die dann plötzlich Wirklichkeit wird. Am Papier entsteht so etwas nie!

Euer Konzept ist „Kulinarischer Tourismus“. Was ist der Unterschied zu „Tourismus für Touristen“? 
Bei dem Konzept „Kulinarischer Tourismus“ geht es um viel mehr als nur darum, gutes Essen, ein Bier oder ein Glas Wein im Urlaub zu genießen. Es ist eine Möglichkeit, um in die Kultur einer Region einzutauchen und einzigartige Erfahrungen in neuer und persönlicher Weise zu erleben. Es ist ein Unterschied, ob ich auf einer Heurigenbank vor einem Glas Wein sitze oder total entspannt und bequem in einem schön gestalteten Innenhof mit Geschichte sitzend, das gleiche Glas Wein genieße. Unsere Gäste sind Menschen wie wir, die das Persönliche und Nachhaltige suchen, schätzen, teilen und große Dankbarkeit für Erhaltenswertes empfinden. Begleitet von uns suchen sie persönliche Begegnungen mit Menschen vor Ort, aber auch mit der Umwelt, und begegnen den Gegebenheiten hier mit Respekt.

Gab es Momente, in denen ihr zurückgeschaut und euch gefragt habt, ob das die richtige Entscheidung war? 
Ja natürlich. Wenn man anfängt zu denken, warum man das macht, merkt man schon, dass Vernunft nicht ausreicht. Eine Portion Idealismus gepaart mit Wahnsinn, aber auch Realismus, gehören dazu. Am Ende überwiegt der Stolz alles. 

Das Haus ist fertig saniert und ein Sehnsuchtsort für Städter geworden. Vor welchen Herausforderungen steht ihr jetzt?
Vor ganz vielen. Wie organisieren wir uns in den nächsten Jahren? Wie meistern wir die aktuelle Situation? Wie finden wir die „richtigen Leute“? Und wie bringen wir alles unter ein Dach, denn wir haben immer soviel Ideen und oft gar nicht genügend Ressourcen dafür (lacht).


Weinberg 6
Für 4 – 8 Personen wochenweise als Ferienhaus zu mieten.
Maria Reitner sagt, es geht auch kürzer, wenn gewünscht: 
weinberg6@franzferdinand.at
2074 Unterretzbach
www.franzferdinand.at

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