Waltraud Klos macht Menschen glücklich

In der Offenen Werkstätte „Woodfield“ in Wolkersdorf steht dem Experimentieren mit Ton nichts im Wege. Waltraud Klos hat das Kreativstudio im Jahr 2019 gegründet. Es ist ein wundersamer Ort, eingerichtet mit zwei Töpferscheiben, einem Brennofen, Regalen voll mit Formen, Werkzeugen in Hülle und Fülle und hochwertigen Glasuren. Für Anfänger gibt es Einsteiger-Workshops und Erfahrene gehen für eigene Projekte gleich in die „Offene Werkstatt“. So oder so, mit diesem im Weinviertel einzigartigen Angebot stehen einem die Türen für weitere Erfahrungen mit Ton, Drucktechnik und Textiles Gestalten ganz weit offen. Wir haben die Gründerin Waltraud Klos zum Interview getroffen und über ihre Leidenschaft für Ton, Techniken und glückliche Menschen gesprochen.

Interview: Elisabeth Egle, Fotos: Klaus Egle

Mich reizt besonders, das Digitale mit dem traditionellen Handwerk zusammenzubringen.

Elisabeth Egle: Wie kommt man auf die Idee einer Offenen Werkstätte? 
Waltraud Klos: Ich liebe Maschinen, Geräte und gute Werkzeuge. Ich habe damit angefangen, dass ich es für mich gemacht habe, dann habe ich mehr Platz gebraucht und auch bekommen, weil die Kinder begonnen haben auszuziehen. Das Ganze hat dann Dimensionen angenommen, dass ich mir gedacht habe, diese Ressource sollte man doch auch anderen zugänglich machen. Es kamen dann Anfragen zur Mitbenutzung und ich habe begonnen, aktiv den Austausch mit anderen zu suchen. Das macht mir Spaß. Wenn ich etwas für mich entdecke, lasse ich mich ganz tief hineinfallen und beschäftige mich intensiv damit. Auf diese Weise habe ich mir ein sehr großes Grundlagenwissen aufgebaut, das ich mit anderen gerne teilen möchte.

Ich möchte Dinge in ihrer Ursprünglichkeit erfahren.


Elisabeth Egle: Wo haben Sie sich dieses Grundlagenwissen aufgebaut? 
Waltraud Klos: Durch sehr viel Selbststudium, Kurse auf der Kunst-Volkshochschule und in Deutschland sowie Recherche im Internet. In Österreich sind die Ausbildungsstätten überwiegend auf Schüler und Studenten ausgerichtet. Für Spätberufene ist das Weiterbildungsangebot sehr eingeschränkt,  das ist schade. Du fängst mit einem Workshop an, und dann hört es mit diesem Workshop aber schon wieder auf, weil die meisten zuhause nicht diese Möglichkeiten haben, wie ich sie anbieten kann – perfekt ausgestattete Räumlichkeiten, bestes Werkzeug in Hülle und Fülle und persönliche Tipps.

Elisabeth Egle: Das klingt jetzt nach vielen Möglichkeiten.
Waltraud Klos: Das eine ist Keramik, das andere ist Drucktechnik und Textiles Gestalten, die ich alle miteinander zu verbinden versuche. Was mich besonders reizt, ist das Digitale mit einem traditionellen Handwerk zusammenzubringen. Ich möchte Dinge in ihrer Ursprünglichkeit erfahren. Das, verbunden mit einem sehr weiten Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten. In der Werkstatt gibt es sogar ein Fotolabor, um mit Siebdruck keramische Abziehbilder herstellen zu können. 

Was mich treibt, ist das Weitergeben von Begeisterung.

Elisabeth Egle: Erzählen Sie uns doch bitte mehr über Ihre Workshops.
Waltraud Klos: Auf der einen Seite spreche ich „Offene Werkstätten“-Nutzer an, die schon Erfahrung mit Ton haben. Und dann gibt es die, die sehr an Ton interessiert sind, aber nicht die Kenntnisse haben um einfach anzufangen. So ist die Idee zu den Workshops entstanden, die sehr konzentriert aufgebaut und angelegt sind. Im Grundlagen-Workshop vermittle ich geballtes Wissen an einem Tag. Warum einen ganzen Tag? Wenn man das Material Ton begreifen möchte, sollte man die unterschiedlichen Trockenstadien und die spezifische Handhabung von Ton kennenlernen und das geht nicht in drei Stunden. Dann gibt es noch die Weiterführungs-Workshops. 

Elisabeth Egle: Was ist ihre eigene Motivation für das Abhalten von Workshops? 
Waltraud Klos: Was mich treibt, ist das Weitergeben von Begeisterung. Ich möchte die Vielfalt und das Wissen vermitteln und das Feuer entfachen, sage aber ganz klar, wo meine Grenze ist. Ich bin nicht der Experte, selber eine Suchende und möchte auch von denen lernen, die in meine Werkstätte kommen. Mein Anspruch ist es, viel zu experimentieren und neue Techniken kennenzulernen. Serien mache ich weniger gerne, aus diesem Grund findet man bei mir eher Einzelstücke und viel Abwechslung. 

Waltraud Klos hat auch Wein4tler Neudenker-Gründerin Elisabeth Egle für das keramische Arbeiten begeistern können – Bowls waren das Ergebnis.

Sich über das Material Ton auszudrücken und dann etwas Bleibendes zu haben, ist eine Faszination, die alle eint.

Elisabeth Egle: Gibt es einen gemeinsamen Nenner, der die Menschen zu Ihnen treibt? 
Waltraud Klos: Das Material Ton und der Wunsch, etwas selber zu schaffen und zu kreieren. Alleine schon, wenn sich der Ton von einer weichen zu einer knochentrockenen und dann zu einer gebrannten Masse transformiert, die man am Ende glasiert, passiert etwas mit einem. Sich über das Material auszudrücken und dann danach etwas Bleibendes zu haben, das man im Alltag oder Haushalt verwenden und sogar im Geschirrspüler waschen kann, das ist eine Faszination, die alle eint. 

Elisabeth Egle: Was reizt Sie selbst an der Arbeit mit dem Ton besonders?
Waltraud Klos: Mich reizt es, die vielen Möglichkeiten, die sich durch den Einsatz von Maschinen, Werkzeugen und Materialien ergeben, auszuschöpfen und dadurch immer wieder neues Terrain kennenzulernen. Ich möchte den Dingen auf den Grund zu gehen, die Information dahinter verstehen und das mit Methodik vermitteln. Vor Jahren habe ich gelernt, dass man die unterschiedlichen Techniken können und verstehen muss, damit man überhaupt kreativ sein kann. Was nützt einem die ganze Kreativität, wenn man nicht das Wissen hat, mit dem man sie umsetzen kann?
So kam es bei mir zu einem Umkehrgedanken: Ich fange damit an, die grundlegenden Techniken zu vermitteln. Da ist man natürlich noch nicht großartig kreativ, sondern man arbeitet an vorgegebenen Werkstücken, wobei dann die Teilnehmer diesen ohnedies ihren individuellen Stempel aufdrücken können. In den Workshops vermittle ich die Technik und dann hat man den Grundstock gelegt, um frei in der Offenen Werkstätte zu arbeiten. Dort bin ich auch anwesend und stehe bei Fragen gerne zur Seite. 

Statt den üblichen Gartenkugeln eine fröhliche Etagere als Gartendeko.
Tochter Leonie hat ohne Modelliererfahrung diese Skulptur gestaltet.

Nach Hause gehen die Menschen dann alle glücklich.

Elisabeth Egle: Verändert das Arbeiten bei Ihnen die Menschen? 
Waltraud Klos: Ich sehe bei sehr vielen ein Muster. Die Menschen kommen mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Manche sind aufgedreht oder angespannt, manche vorsichtig und zurückhaltend. Je länger sie dann hier sind und sich auf das Arbeiten mit Ton einlassen können, desto mehr kommen sie zur Ruhe. Spätestens beim gemeinsamen Mittagessen merkst du, wie sich alle entspannen und den Tag genießen. Nach Hause gehen sie dann alle glücklich. Sie haben ein Strahlen im Gesicht, sind zufrieden und wissen, sie haben etwas ganz Tolles geschafft.

Die von Elisabeth Egle geschaffenen Bowls.

Mit „Woodfield“ habe ich eine Unternehmensidee selber kreiert. 

Elisabeth Egle: Keramik ist voll im Trend. Wie erklären Sie sich das?
Waltraud Klos: Es ist eine Kombination aus vielem. Es hat viel mit Lifestyle zu tun und mit der Sehnsucht nach Selbermachen. Und es fasziniert, Selbstgemachtes im Alltag zu verwenden und sich damit auch einrichten zu können. Arbeiten mit Ton kennt keine Grenzen, schafft eine Wertigkeit und ist nachhaltig – das spricht die Jungen sehr an.  Das ist das Schöne, dass dieses Handwerk alle Altersgruppen zusammenbringt. 

Elisabeth Egle: Als Unternehmer am Markt zu sein, bedeutet auch zu verkaufen. Wie geht es Ihnen damit?
Waltraud Klos: Ich habe nicht gewusst, dass ich überhaupt verkaufen kann. Mit „Woodfield“ habe ich eine Unternehmensidee selber kreiert und auf die Welt gebracht. Hier gab es ja nichts, ich musste erst das Bedürfnis schaffen, das Produkt definieren und anfangen. Der Verkaufsstart war damals der Wolkersdorfer Weihnachtsmarkt 2019 und sehr erfolgreich. 

Für das, wie kurz ich mit Woodfield am Markt sind, bin ich total zufrieden.

Elisabeth Egle: Was bringt die Zukunft?
Waltraud Klos: Ich will nicht nicht klassisch wachsen. Ich freue mich, wenn die Kurse gut gebucht sind und sich die Offene Werkstätte etabliert. Schön wäre ein Kommen und Gehen, das einfach läuft. Für das, wie kurz ich mit Woodfield am Markt sind, bin ich total zufrieden und freue mich auf das was kommt. 


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