Eva-Maria Dörfler baut Kleider

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Warum für sie ein Brautkleid das Kirscherl auf dem Eis ist. Ein Gespräch mit Schneiderin Eva-Maria Dörfler, die in Wien Kollektionen entworfen hat, jetzt in Waltersdorf für Bräute Kleider-Träume wahr macht und findet, dass jeder seine eigene Mode hat.

Interview und Fotos: Elisabeth Egle und Klaus Egle

Mode ist das, was für jeden persönlich passt.

Elisabeth Egle: Karl Lagerfeld sagt: „Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.“ Wie sehen Sie das? 
Eva-Maria Dörfler: Es kommt alles immer irgendwie wieder, man kann die Mode nicht neu erfinden. Mittlerweile finde ich das gut, jeder kann tragen, was er will und was ihm gefällt. Es gibt die oberflächlichen Trends, die saisonal wechseln, aber für mich ist das nicht Mode. Mode ist das, was für jeden persönlich passt. Man bringt damit seine Persönlichkeit zum Ausdruck. Nehmen sie ein und dasselbe Kleid, geben sie es zwei Menschen zum Tragen und es schaut an jedem anders aus. Von daher kann man schon sagen, dass jeder seine eigene Mode hat.

Elisabeth Egle: Wie lautet Ihre Berufsbezeichnung?
Eva-Maria Dörfler: Ich bezeichne mich als Schneiderin. Das Gewerbe ist Damenkleidermacher-Herrenkleidermacher und Wäscheerzeugnisse. Für Herren dürfte ich damit auch schneidern, aber das verlangt nach einer eigenen Ausbildung.

Draußen steht „Schneider-Atelier“. Das kreiert ein Bild im Kopf. Warum nennen Sie sich so?
Ich wollte mich bewusst offen halten und ja, ich mache eigentlich fast alles. Spannend ist es, wenn meine Kunden spezielle Vorstellungen haben. Das fordert mich regelrecht. 

Was ist Ihre Ausbildung? 
Ich habe das Kolleg für Mode- und Bekleidungstechnik an der Modeschule Michelbeuern besucht. Das ist eine viersemestrige Ausbildung. Danach habe ich bei einer Wiener Modedesignerin, die ein Modelabel begründet hat, begonnen. In ihrem Atelier haben wir die Kollektionen geschneidert und im angeschlossenen Shop wurden sie verkauft. Dort war ich sechs Jahre. 

Mir kommt es manchmal vor, dass ich die Kleider baue.

Wann haben Sie das erste Mal darüber nachgedacht, sich selbstständig zu machen?
Ich wollte mich nie selbstständig machen. Ich habe es gerne, wenn ich alles kontrollieren kann. Als meine Chefin in Karenz ging, war ich die meiste Zeit alleine im Geschäft, habe die Kollektionen gemacht und bin so langsam in die Verantwortung hineingewachsen. Nachdem die Chefin wieder da war, habe ich festgestellt, dass ich nicht mehr in die zweite Reihe zurück will. Das war für mich der Zeitpunkt, darüber nachzudenken mich selbständig zu machen, weil ich wusste, ich kann das. So hat sich alles Schritt für Schritt entwickelt Seit 2015 bin ich jetzt selbstständig. 

Wenn wir Ihre Kleider und Röcke sehen, ist unser Eindruck, dass alles fließt. Es gibt keine strenge Falte, die Schnitte sind hochwertig, betonen die Frau und lassen sie gelten. Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Das ist lustig, weil ich eigentlich das Gefühl habe, sehr strenge Sachen zu machen. Das Schwierigste ist ja die Einfachheit umzusetzen. Mir kommt es manchmal vor, dass ich die Kleider „baue“. Das ist wie eine Konstruktion. Da ist zuerst der Schnitt, dann wird er zu dem Kleid zusammengebaut und zum Schluss um die Person gebaut. Das ist schön zu hören, dass mein Stil das Gefühl von Leichtigkeit vermittelt.

Sie designen maßgeschneiderte Brautkleider. Ist das die hohe Schule der Schneiderei? 
Ja, für mich ist das schon das Kirscherl auf dem Eis. Ich mache es am liebsten, weil es sehr spannend und eine schöne Arbeit ist. So ein Hochzeitskleid ist eine sehr emotionale Angelegenheit. Meine Kleider sind leicht und fein und finden großen Anklang.

Wenn die Kundinnen zu mir sagen, das ist genau das, was sie wollten, ist das höchst befriedigend.

Wir haben den Eindruck, dass Mode die Moral schlägt, also immer mehr, immer schneller, immer billiger. Hat das Schneider-Handwerk, so wie Sie es betreiben, überhaupt eine Zukunft?
Ich habe einige junge Kundinnen, die bei mir ihre Röcke machen lassen und beobachte, dass bei immer mehr Jungen das Bewusstsein stärker wird, wissen zu wollen, wo kommt das Teil her, wer macht das eigentlich, was ist das für eine Philosophie.

Was machen Sie am liebsten bei Ihrer Arbeit?
Wenn ich loslegen kann, also wenn ich alle Teile zusammengesteckt habe, nähe und sich langsam die Form zeigt. Also das Zusammenbauen an sich. 

Was schätzen Ihre Kundinnen ganz besonders, was sie wo anders nicht finden?
Ich kann mich sehr gut in sie hineinfühlen. Wenn die Kundinnen zu mir sagen, das ist genau das, was sie wollten, ist das höchst befriedigend. Ein kleines Highlight war für mich meine Mutter. Sie hat sich von mir ein Kleid für eine Hochzeit machen lassen. Es hat ihr großartig gepasst und sie war hochzufrieden mit dem Ergebnis. 

Man sollte sich von Beginn an bewusst sein, was genau man machen will.

Zu Ihnen kommen Kundinnen, die in Wien und auf dem Land zuhause sind. Gibt es einen Unterschied zwischen der Stadt- und der Land-Kundin? 
Also wenn sie bei mir über die Türschwelle treten, haben sie alle die gleiche angespannte Unsicherheit. Und die lockert sich mit jedem weiteren Termin. 

Gibt es etwas, das Sie anderen Schneiderinnen und vielleicht auch Einsteigerinnen mit auf den Weg geben wollen?
Man sollte sich von Beginn an bewusst sein, was genau man machen will und von gewissen Dingen abgrenzen. Die kriegt man nämlich nur mehr schwer weg und man spart sich leere Kilometer. 

Viele Menschen sind unsicher, was sie anziehen sollen. Gibt es einen Mode-Tipp für uns?
Ich finde, man sollte gut gearbeitete Basic-Teile haben. Das kleine Schwarze wird niemals aus der Mode kommen. 

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