Sabine Jungmann, die Gemüse-Versteherin

Ganz nach dem Motto „Selbstbestimmt leben“ hat sich Sabine Jungmann mit „Sabine kocht’s“ in Neudorf selbstständig gemacht. Sie packt Speisen, gekocht mit biologischen, regionalen, vollwertigen und gesunden Produkten, ins Glas. In ihren Speisen sind keine Geschmacksverstärker drin, alles ist auf Gemüsebasis und durch das Einrexen, braucht sie kein Mehl und keine Milch, außer in den Kuchen. Ein höchst bemerkenswertes Angebot im Land der Heurigen.
Anmerkung Redaktion: Mit November 2020 hat Sabine Jungmann – getreu ihres Mottos – in der Steiermark ein neues Projekt gestartet. Sie kocht u.a. wieder in einem Seminarhotel, macht aber weiterhin ihre Gläser. Wir wünschen ihr mächtig viel Erfolg.

Interview: Elisabeth Egle und Klaus Egle, Fotos: merkenswert Marketing & Kommunikation

Sabine Jungmann, macht Sie die Digitalisierung freier?
Bezogen auf Social Media, na ja. Ich bin in Facebook nicht so schlecht unterwegs, damit kann ich gut umgehen. Aus Pinterest bin ich geflüchtet, da mir das einfach zu viel war. Und zu Instagram fehlt mir der Zugang. Für Menschen wie mich, die ein Handwerk ausüben oder viel Kundenkontakt haben, sind nach 12 Stunden Küche dann noch zwei Stunden Büroarbeit am Computer wirklich anstrengend. Das alles ist einfacher für Menschen, die immer damit zu tun haben.

Wer sind Ihre Kunden?
Sie sind zwischen 25 und 50 Jahre alt, möchten bewusster leben und denken viel über Nachhaltigkeit und Essen ohne Tierleid nach. Dann habe ich einige Veganer dabei und ganz viele, die einfach keine Leberkäsesemmel mehr im Büro sehen wollen und etwas Schnelles genießen möchten, das sie nicht so müde in der Arbeit macht. Das Feedback von meinen Kunden ist, dass sie nach einer Suppe und einer Hauptspeise voll arbeiten können. In meinen Speisen sind keine Geschmacksverstärker drin, alles ist auf Gemüsebasis und durch das Einrexen, ich fülle das Gericht heiß im Glas ab und gebe es ins 90 Grad heiße Wasserbad, brauche ich kein Mehl und keine Milch, außer in den Kuchen. 

Wie schaut es aus mit den Männern als Kunden? Die sind ja eher bekannt dafür, Gemüsemuffel zu sein.
Wir sind mit unseren Produkten viel auf Märkten unterwegs und lassen verkosten. Zu den Verkostungen kommen immer zuerst die Frauen, die Männer schauen vorsichtig von hinten zu. Spätestens mit der „Schweinischen Försterin“ fange ich sie mir aber ein. Und 90 Prozent von denen, die kosten, kaufen auch.

Regionalität ist das neue Bio.

Was ist das wichtigere Thema: Regional oder Bio? 
Das Thema Bio ist nicht mehr so bestimmend. Ich würde sagen, Regionalität ist das neue Bio. Und da darf die Karotte auch krumm gewachsen sein. Wir sind leider im Weinviertel ein bisschen ein Niemandsland, was Feingemüse betrifft. Was es hier nicht gibt, kaufe ich im Bio-Großhandel ein. Natürlich verwende ich auch Produkte wie Bananen, Kokosmilch oder Chia-Samen, aber eben nicht hauptsächlich. Ich finde, wenn man ein bisschen auf die Nachhaltigkeit in der Region schaut, darf man auch über die Grenzen gehen und andere Produkte verwenden. Immer öfters wird auch nach Wild gefragt, weil speziell beim Catering auf unverfälschten einzigartigen Geschmack Wert gelegt wird.

Ist Essen die neue Religion?
Ich finde es langsam schon ein bisschen anstrengend. Als damals in der Gastronomie mit der Allergenverordnung begonnen werden musste, hat das die Gäste ziemlich verunsichert. Plötzlich hatte fast jeder ein Wehwechen. Unlängst hatte ich eine Catering-Anfrage. Einige Gäste hätten eine Zuckerintoleranz. Da musste ich lächeln – weil keiner von uns verträgt Zucker. 

Vertraut man Ihnen blind? 
Die Menschen sind schon aufmerksamer geworden, das heißt: Sie vertrauen mir, aber sie kontrollieren auch manchmal. Meine Kunden fragen bei meinen Produzenten nach, ob ich dort wirklich einkaufe. Dadurch entstehen aber wieder neue Kontakte durch Empfehlungen. Das ist ein wesentliches Merkmal in der Region. Kauft einer, denn ich kenne, dort ein, dann kaufe ich dort auch ein. So wie es früher einmal war. 

Hat sich Ihr Geschäftsmodell einfach ergeben oder gab es eine Grundüberlegung?
Es gab im Jahr 2018 eine Basisidee. Ich habe schon im Wirtshaus in Hörersdorf mit dem Einrexen von Kuchen und Szegediner Krautfleisch begonnen und das über die Gasse verkauft. Die Leute sollten lernen, dass sie die Speisen im Glas auch herschenken können. Dann kam der persönliche Break und die Reha. 2018 habe ich gewusst, es muss wieder was mit Gästen werden, aber kein Wirtshaus mehr. 

Wäre Wien nicht ein besserer Standort für Ihr doch sehr spezielles Angebot hier im „Land der Schweinsbraten-Liebhaber“ gewesen?
Vor zwei Jahren wäre es in Wien sicher eingefahren. Da gab es einen richtigen Boom. Mittlerweile gibt es viel Konkurrenz. Außerdem will ich den Stress nicht. Und ja, hier am Land muss ich meine Linie klar vertreten und darf nicht abweichen. Was manchmal schwierig ist, denn durch meine vielfältige Gastronomiepraxis erwartet sich so mancher, dass ich alles koche. 

Was sind Ihre wertvollsten Erfahrungen für junge Gründer?
Konzentration auf das Kernprodukt, sofort Marketingunterstützung holen und das Netzwerk aktivieren. Durch Netzwerktreffen ist schon soviel entstanden. Da glaubt man, man kennt schon jeden, zwei Neue kommen zur Tür hinein und man ist überrascht, was es noch alles gibt. 

Wie war Ihr Start ins Unternehmertum?
Geholfen hat es mir sicherlich, dass ich in Mistelbach und Umgebung schon bekannt war. Zu Beginn habe ich vier Tage die Woche ein Menü ausgeführt. Mir war klar, dass diese Schiene sehr aufwendig sein wird, aber mein Ziel war es, bekannt zu werden und Kunden zu bekommen. Parallel dazu habe ich die Gläserschiene immer mehr aufgebaut. Und seit ich das Menü weglasse, kann ich besser planen. Jetzt kommen immer mehr vegetarische und vegane Caterings dazu, weil ich mit Gemüsen umgehen kann. 

Sie haben also einen klassischen Businessplan gemacht.
Fast. Der Ursprungsplan war, das von Zuhause auszumachen. Ein Termin bei der Wirtschaftskammer hat ergeben, dass das nicht geht. Dafür war meine Begegnung mit Riz Up, der niederösterreichischen Gründungsagentur in Mistelbach, ein Glücksfall. Nach einem regelrechten Ausscheidungsverfahren mit den richtigen Fragen konnte ich meine Küche in Neudorf starten. 

Was gefällt Ihnen am meisten am Unternehmertum?
Dass ich mir von niemanden mehr einreden lassen muss, wie ich etwas machen und halten muss. Vor allem von Menschen, die keine Ahnung von Gastronomie haben. 

Wovon möchten Sie, als Unternehmer, mehr? 
Selbstbestimmung habe ich und mehr Freizeit kommt nach dem Aufbau wieder. Die Anerkennung ist da und mehr Bekanntheit kann nie schaden.             

Welches Gemüse ist Ihr Lieblingsgemüse?.
Die Pastinake. Die gibt es schon ewig lange und haben wir schon zu meiner Lehrzeit verarbeitet, dann war sie weg vom Fenster. Jetzt ist sie wieder da. Ich habe voriges Jahr fast das ganze Kontingent von meinem Gemüseproduzenten aufgekauft. Ich liebe Pastinaken. Sie sind meine Basis in allen Suppen und Saucen, Du hast sofort eine Sämigkeit und einen Geschmack drin, du brauchst kein Schlagobers und kein Mehl. 

SABINE KOCHT´S
Sabine Jungmann
Laaer Straße 76/3
2135 Neudorf / Weinviertel
www.sabinekochts.com
Bestellhotline:
+43 677 61 77 80 74Bestell-Mail
bestellung@sabinekochts.com

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