Nicole Sazecek nimmt den Druck vom Hund

In Österreich leben weit über 500.000 registrierte Hunde, die tatsächliche Schätzung liegt bei 665.000. Niederösterreich ist mit über 162.000 das Bundesland mit den meisten Hunden. Wenn man sich überlegt, dass man früher einen Hofhund hatte, der nicht einmal ins Haus durfte, hat der Hund ganz schön Karriere gemacht. Gefragt ist heute der multitasking-fähige Familienhund, der alles klaglos mitmacht. Nicole Sazecek von „Tiermassage keep on moving“ in Ringelsdorf war selbst viele Jahre Hundetrainerin und im Hunde-Leistungssport tätig. Ihr fällt sofort auf, wenn Hunde Stress haben – und sie weiß auch, was sie dagegen tun kann. 

Interview und Fotos: Elisabeth Egle und Klaus Egle

Die Leute glauben, wenn sie mit dem Hund Gassi gehen, dann passt das schon.

Elisabeth Egle: Die Corona-Pandemie hat die Liebe zum Hund beschleunigt. Wie sehen Sie als Hundetrainerin diese Entwicklung?
Nicole Sazecek: Ich sehe das nicht unbedingt positiv, weil die Anschaffung eines Hundes in dieser Situation oft zu unüberlegt passiert. Für Viele ist das ein Argument, dass sie hinausgehen müssen. Aber was passiert, wenn sich die Situation wieder entspannt und sie dann vielleicht nicht mehr soviel Lust haben, jeden Tag hinauszugehen? Oder sie gehen wieder ins Büro und haben dann nicht mehr die Zeit, sich um den Hund zu kümmern?

Elisabeth Egle: Coaching mit Tieren unter dem Stichwort „Mitarbeiterführung“ ist modern, aber Bewegungscoaching für den Hund ist uns neu. Was machen Sie konkret?
Nicole Sazecek: Die Leute glauben, wenn sie mit dem Hund Gassi gehen oder Hundesport machen, dann passt das schon. Aber oft ist es so, dass sich die Hunde dabei nicht richtig bewegen. Da kann es sein, dass das Gangbild des Hundes nicht mehr korrekt ist, was wieder ein Anzeiger für Probleme ist, die man aber selbst nicht erkennt – allein schon deshalb, weil man den Hund ja jeden Tag sieht und das darum nicht registriert. 

Elisabeth Egle: Das heißt, Sie machen eine Art Prophylaxe?
Nicole Sazecek: Genau. Im Grunde ist es wie beim Menschen. Manchmal zwickt es uns irgendwo oder wir haben einen Muskelkater und dadurch schlechte Laune und wissen gar nicht warum.

Oft herrscht die Ansicht vor, der Hund muss laufen, laufen, laufen

Elisabeth Egle: Haben Sie den Eindruck, dass bei Hundebesitzern ein großes Unwissen herrscht, was die Bedürfnisse des Hundes betrifft?
Nicole Sazecek: Jaja, es gibt sehr viele Themen bei denen die Hundehalter dann sagen „Aha, das habe ich gar nicht gewusst!“ Zum Beispiel wissen die wenigsten, dass ein Hund mit einem halben Jahr noch kein ausgereiftes Skelett besitzt und darum auch nicht eine Stunde spazieren gehen sollte. Da herrscht oft die Ansicht vor, der Hund muss doch laufen, laufen, laufen… Dabei sind bei jungen Hunden die Gelenke noch nicht so fest, dass sie ausdauernd trittsicher sind.

Elisabeth Egle: Wer ist das, der mit seinem Hund zu Ihnen kommt?
Nicole Sazecek: Es kommen sehr viele Leute aus dem Hundesportbereich, wo mich auch viele kennen, insbesondere die, deren Hunde Leistungssport betreiben. Auch kommen Hundesenioren oder über Tierärzte Hunde, die verletzt waren und jetzt in der Rehabilitation sind. 

Hunde sind sehr verschieden.

Elisabeth Egle: Leistungssport für Hunde?

Nicole Sazecek:  Ja, es gibt verschiedene Hundesportarten wie zB Agility (Parcourslauf), über Schutzhundesport, bis hin zu Frisbee. Bei Frisbee springen die Hunde bis zu drei Meter in die Luft um die Scheibe zu fangen und landen oftmals nicht sanft bzw. gelenkschonend. Beim Begleithunde-Sport wird das korrekte „Fußgehen“ trainiert. Mit oder ohne Leine geht der Hund links und soll dabei seinen aufmerksamen Blick zum Hundeführer haben. Er schaut rechts hoch. Viele Hunde leiden dadurch an einer verkürzten Nackenmuskulatur. Manche Hunde können den Kopf gar nicht mehr vollständig auf die andere Seite drehen. 

Elisabeth Egle: Aber ist das nicht eigentlich ein Luxusangebot, so ein Bewegungscoaching?
Nicole Sazecek: Auch da ist es wie bei den Menschen. Wann geht man zum Coach oder Masseur, wann geht man zum Arzt… meistens nur dann, wenn man ein Problem hat. Beim Bewegungscoaching zeige ich den Hundebesitzern Übungen für zu Hause. Zum Beispiel, wie man eine Wirbelsäule dehnt – so dass Probleme erst gar nicht entstehen. Dabei sind Hunde sehr verschieden. Es gibt ungeschickte Hunde, die sich immer wieder verstolpern, sich etwas prellen und dann ein Hämatom haben – und das kann man mit der Massage und mit aktiven und passiven Bewegungsübungen wieder sehr gut korrigieren. 

Die Idee mit der eigenen Praxis entstand während der Karenz. 

Elisabeth Egle: Sie haben ja einen Halbtages-Job bei einem Gewürzhersteller und haben sich jetzt ihre Praxis im vergangenen Jahr aufgebaut – pünktlich zur Pandemie…
Nicole Sazecek: Ich liebe meinen Job und würde ihn nie aufgeben wollen, aber es lässt sich gut unter einen Hut bringen. Die Idee mit der eigenen Praxis entstand während der Karenz. Ich habe die Ausbildung zur Bewegungslehre und Hundemassage gemacht und dann die Praxis gestartet. 

Elisabeth Egle: Wie hilft Ihnen die Digitalisierung um am Land bekannt zu werden? 
Nicole Sazecek: In Zeiten von Social Media ist ja alles viel einfacher geworden. Ich habe natürlich eine Homepage und eine Facebook-Seite über die eigentlich die gesamte Kommunikation läuft. Und irgendwann wird es zum Selbstläufer, weil man wieder weiterempfohlen wird. Das funktioniert super. 

Mein Ziel ist es, dass die Hunde bis ins hohe Alter gesund bleiben. 

Elisabeth Egle: Arbeiten Sie auch vernetzt?
Nicole Sazecek: Ich arbeite auch mit Hundetrainern zusammen. Die kommen zum Beispiel mit ihren Schülern (den Hunden) hierher und wir machen ein Medical Training – also einen simulierten Tierarzt-Besuch. Hundebesitzer und Hunde sind mit dieser Situation meist total überfordert. Der Hund ist gestresst, der Hundebesitzer ebenso, die pushen sich gegenseitig in die Höhe, der Tierarzt-Besuch wird zur Katastrophe, der Hund prägt sich das ein und will nie wieder zum Tierarzt. Bei uns geht das dann ganz sanft und entspannt zu, dass der Hund merkt, dass ihm da ja gar nichts passiert. 

Elisabeth Egle: Welchen Unterschied schaffen Sie mit Ihrer Behandlung im Leben des Hundes oder anders gefragt: Was hat er davon?
Nicole Sazecek: Mein Ziel ist es, dass die Hunde bis ins hohe Alter gesund bleiben. Dafür ist es wichtig, etwaige Probleme rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln – noch bevor man zum Tierarzt muss, wo es dann auch gleich richtig teuer werden kann. Die frühzeitige Erkennung spart aber nicht nur Kosten, sondern dem Hund auch Schmerz und Leid. Das will ich mit meiner Aufklärungsarbeit und meinem Tun erreichen. 

Und jetzt eine edle Weinviertler Jause.

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