Messerschmied Florian Stockinger geht den Weg des gewissenhaften Arbeitens

Florian Stockinger war der jüngste Schmiedemeister Österreichs. Seit seinem elften Lebensjahr beschäftigt er sich schon mit Messern. Zum Schmieden braucht man einen Hang. Bei ihm ist es die Affinität zu Handwerk und Stahl und seine Ausbildung in Technik. Die Schmiede in Ernstbrunn hat er gemietet und komplett umgebaut. Produktionsmäßig arbeitet er allein, weil die Herstellungsprozesse so spezifisch sind. Über 13 Jahre hat der junge Messerschmied gebraucht, um dorthin zu kommen, wo er jetzt steht.

Interview und Fotos: Elisabeth Egle und Klaus Egle

Elisabeth Egle: Florian Stockinger, wie waren die ersten drei Jahre für Sie?
Florian Stockinger: Wenn mir einer sagt, er hat nie daran gedacht aufzuhören, dann glaube ich das nicht. Der Gedanke drängt sich ganz einfach auf, wenn es so richtig hart wird. Es ist am Anfang viel Arbeit mit extrem viel Ungewissheit. Und die Ungewissheit war für mich als junger Mensch der größte Stressfaktor. Die schlimmste aller Fragen aus dem Freundeskreis ist die „Wird das überhaupt etwas?“ Da geht es dann darum, sich selber zu sagen: Ich glaube daran und ich sehe das Potenzial drin, dementsprechend seinen Preis zu gestalten und den Entwicklungsprozess mit der Marke mitzumachen.

Elisabeth Egle: Was macht da dann den Unterschied aus?
Florian Stockinger: Es ist eine mentale Sache und am Ende ist es eine Perspektivenfrage. Es gibt unterschiedliche Zugänge. Die, die mich motivieren und die ich als bewältigbar sehe, oder ich nehme es als unüberwindbare Hürde wahr. Den richtigen Zugang habe ich erst vor drei Jahren gefunden. Die ersten drei Jahre davor waren unglaublich hart. So viele offene Fragen – aber dann habe ich mir gesagt: Okay, ich mache genau das, was ich gern mache und ich werde darin jeden Tag besser. Und es wird alles einfacher, wenn man aufhört, sich zu fragen: Wann werde ich der Superstar?

Mit meinen Messern wird gearbeitet.

Elisabeth Egle: Sie haben ein sehr erklärungsbedürftiges Produkt und einen Online-Shop. Was bringt Ihnen das? 
Florian Stockinger: Die meisten bestellen direkt über den Online-Shop. Das sind oft Kunden, die sich bereits mit Messern beschäftigt haben. Sie kochen gerne und wissen, welches Messer zu ihnen passt. Die Digitalisierung hilft jedem bei seinem Business. Weil man jetzt eine Breitenwirkung hat, die unglaublich ist. Auch durch Instagram und Facebook. Für alle Branchen sind das Möglichkeiten, die man vor zwanzig Jahren nicht hatte. Jetzt trifft man auf Leute, die, unabhängig von dem, was sie machen, jetzt nicht nur aus 10.000 möglichen Interessenten auswählen, sondern aus Hundertausenden bis Millionen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass ich in diesem großen Spektrum von Leuten auch dem entsprechend mehr Kunden finde. 

Elisabeth Egle: Das wäre ja fast wie Goldwaschen. Ihre Kunden sind doch eine sehr spitze Zielgruppe. 
Florian Stockinger: Das höre ich relativ oft und habe es anfangs auch geglaubt. Die Zeit hat mich vom Gegenteil überzeugt. Es gibt kein direktes Kundenprofil. Zu mir kommen Leute mit den unterschiedlichsten Messerwünschen. Zum Arbeiten, zum Verschenken, das erste Lehrabschlussgeschenk, Profis, Hobbyküche oder Jäger. Es sind alles Leute, die Sinn für ein hochqualitatives Messer haben. 

Was ist das Neue an Ihrem Messer?
Jeder Messermacher macht etwas anderes, überlegt sich Parameter und baut sie entsprechend. Der vielverwendete Begriff Damast ist noch kein Qualitätskriterium. Wichtig ist für den Kunden zu wissen, dass Damast nicht gleich Damast ist. Ich wähle aus 25 Stählen meine Materialien aus und mische sie nach meiner Rezeptur. Das ist aber nur ein Punkt beim Messermachen. Dazu kommt, was zum Beispiel ein Profikoch von einem Messer erwartet. Will er es hygienisch haben, leicht schärfen können, schnell reinigen oder es soll möglichst lange halten?


Aber warum kommen sie jetzt zu Ihnen?
Weil ich alle diese Kriterien bei der Herstellung und Konstruktion beachte. Meine Messer sind ausgelegt auf 8-Stundentage in der Gastronomie. Natürlich profitiert davon ein privater Nutzer. Das ist einfach nur eine Sache der Prioritäten, ob ich mir das leisten möchte. Aus diesem Grund baue ich Messer unterschiedlicher Preisklassen von 250,- bis 2.500,- Euro. Wenn spezielle Kundenwünsche vorhanden sind, setze ich sie um und sie kosten entsprechend.

Sind Ihre Messer ein Luxusgegenstand?
Mit meinen Messern wird gearbeitet. Das Messer an sich wird oft als das älteste Werkzeug der Menschheit bezeichnet. Auch jenes im Steinformat. Es hat in der Geschichte einen riesigen Unterschied in der Lebensweise im Alltag gemacht, ob man ein Messer hatte oder nicht. Daher rührt auch diese Mystifizierung, weil es so einen hohen Stellenwert hatte.. 

Metall verzeiht einem keinen Fehler.

Was war die lehrreichste Zeit als Unternehmer?
Das war mein Japan-Besuch vor ein paar Jahren. Danach habe ich gewusst, was ich will und meinen eigenen Weg gefunden. Es ist der Weg des gewissenhaften Arbeitens.

Was heißt das für Sie „gewissenhaft arbeiten“?
Mich fasziniert wie extrem gewissenhaft die alten Schmiede arbeiten. Von ihnen kann man sehr viel lernen. Es gibt einen alten Zunftspruch „Metall erzieht und Holz bildet“. Ich lege es so aus, dass Metall einem keinen Fehler verzeiht. Man sieht in jedem Produkt die Herangehensweise von demjenigen, der es herstellt und den gesamten Prozess der Herstellung abgebildet.

Wächst die Marke international, werde ich für die Produktion mehrere Mitarbeiter aufnehmen.

Wie geht sich das wirtschaftlich aus, Messer zu machen, die in einer schnelllebigen Zeit „überdauern“?
Wenn sich ein Kunde das erste Messer kauft, will er möglichst viel damit machen können. Dann kommt er auf den Geschmack, weil er zufrieden ist, beginnt zu differenzieren und kauft sich später ein Patty, ein Gemüsebeil oder chinesisches Beil … Das ist auch der Grund, warum ich unterschiedliche Preisklassen habe. 

Was sind Ihre sonstigen Vertriebskanäle?
Es ist ein Mix aus vielen Kanälen. Ich war auf Messen, aber habe bald davon abgelassen. Das hat sich nicht als optimaler Vertriebskanal für mich herausgestellt. In fünf bis acht Minuten kann man kein Messer erfassen. Dann habe ich international Händler und bin zum Start gezielt in die Gastronomie gegangen. Was mir in der Vermarktung auch sehr hilft, sind Medienberichte und Mundpropaganda. Der Newsletter-Versand erfolgt total spezifisch. Für die Kommunikation arbeite ich mit Profis zusammen. Auf lange Sicht ist es günstiger, diese Leistungen zuzukaufen. 

Sie haben gesagt, Sie wollen international wachsen. Das heißt Mitarbeiter aufnehmen, oder? 
Ja, wenn die Marke international wächst, werde ich in der Produktion mehrere Mitarbeiter aufnehmen. Aus diesem Grund arbeite ich daran, die Arbeitsschritte zu optimieren, damit die Ausbildungszeit verkürzt wird und der Mitarbeiter mir gleich zuarbeiten kann. 

Warum der Name Lilienstahl?
Die Lilie transportiert für mich Wohlstand, weltweiten Handel und soziales Engagement. 


Lilienstahl GmbH
Florian Stockinger
Laaerstraße 2
2115 Ernstbrunn
www.lilienstahl.at

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