Lis Schiller von FC Guad: Bei uns kauft man bewusst ein

Immer öfter organisieren Menschen sich den Ankauf und die Verteilung von regional hergestellten,  biologisch und auch sozial gerechten produzierten Lebensmitteln selbst. So ein Zusammenschluss nennt sich „Food Coop“ und ist als Verein organisiert. In Österreich gibt es mittlerweile über 70 Food Coops. Beschleunigt hat deren Entwicklung auch die Digitalisierung, da man sich online organisiert. In Mistelbach haben Lis Schiller, Petra Reidlinger-Kuril und Martina Umscheid vor drei Jahren die Food Coop „FC Guad“ gegründet, die uns einzige bekannte Food Coop im Weinviertel. Sie verzichten bewusst auf Zwischenhändler, die 40 Mitglieder zahlen einen Mitgliedsbeitrag und bringen sich flexibel ein.

Interview: Elisabeth Egle, Fotos: Klaus Egle

Wir kaufen als gemeinnütziger Verein Ab-Hof ein und geben die Preise 1:1 weiter.

Elisabeth Egle: Wir kennen Food Coops nur aus Wien, wo der direkte Zugang zu bäuerlichen Produkten schwerer ist. Warum eine Food Coop am Land, wo ich von Hofläden und SB-Shops umgeben bin? 
Lis Schiller: Genau das ist der Punkt. Wir haben hochgerechnet, wenn unsere 40 Mitglieder alle losfahren würden und von unseren Produzenten einzeln die Produkte holen, schaut es mit der CO2-Bilanz nicht so gut aus. Und dann tun sie es auch nicht, weil unsere gelisteten 20 Produzenten – saisonal bedingt können es auch mehr sein – spezialisiert sind, wir als gemeinnütziger Verein Ab-Hof einkaufen und die Preise 1:1 weitergeben. Unsere Mitglieder müssen nur an einem bestimmten Tag an einer Adresse innerhalb von zwei Stunden ihre bestellte Ware abholen. Und zwar geballt und nur das, was sie bestellt haben. Das ist schon ein Vorteil.

Elisabeth Egle: Die Mitglieder können wöchentlich bestellen …
Lis Schiller: Ja, ab Donnerstag bis Samstag 23 Uhr online. Also diejenigen, die sagen, sie lassen sich so gerne von der Atmosphäre eines Einkaufs auf dem Markt verzaubern, die werden nicht unbedingt Mitglied. Bei uns ist es schon sehr pur. Du bestellst online und am Mittwoch zwischen 17 und 19 Uhr holst du die Sachen, zahlst und die Sache und es ist erledigt. Das Einkaufserlebnis steht dabei naturgemäß nicht im Vordergrund.

Elisabeth Egle: Was ist es dann, was Leute bewegt, bei euch mitzumachen?
Lis Schiller:  Es gibt so Dinge, die sich leise entwickeln. Nennen wir sie soziale Netzwerk-Verknüpfungen, weil auch nur bestimmte Leute bei uns einkaufen. Das sind zunehmend mehr Jungfamilien und Leute, die sehr bewusst einkaufen. Wir haben in Mistelbach ein Schwerpunktkrankenhaus mit über 1.000 Beschäftigten. Von dort kommen einige, die nicht in Mistelbach leben und ihren Einkauf so gleich miterledigen. 

Nennen wir sie soziale Netzwerk-Verknüpfungen, weil nur bestimmte Leute bei uns einkaufen.

Elisabeth Egle: Euch gibt es nun das dritte Jahr. War es schwierig Mitglieder zu gewinnen? 
Lis Schiller:
 Wir haben mit 10 Mitgliedern angefangen und sind dann ziemlich schnell gewachsen. Wir brauchen einen gewissen Grundumsatz, damit wir von allen Lieferanten auch beliefert werden können. Dadurch, dass wir jetzt bekannt sind, kommen Lieferanten aber auch auf uns zu. Bei uns bekommt man ein Grundsortiment, das Getreide, Säfte sowie weitere lagerfähige Produkte umfasst. Frisches Gemüse, Obst, Brot und Milchprodukte außer Butter gibt es auch auf Bestellung. 

Elisabeth Egle: Noch einmal zurück zu den vielen neu aufgestellten Ab Hofläden ….
Lis Schiller:
 Du kannst zum Einkaufen losfahren, aber du weiß nicht, ob du auch bekommst, was du brauchst. Bei uns weißt du es. Wir informieren, wenn etwas aus ist. Wir haben aber auch lernen müssen. Wir haben einen Marillenbauern, der hat zehn verschiedene Marillensorten. Wir haben 40 Kilo Marillen bestellt, und wollten in der Woche drauf noch einmal die gleiche Menge bestellen. Fragt uns der Marillenlieferant, ob wir nicht zum Fenster hinausgeschaut haben, es hat geregnet und er konnte nicht ernten, weil der Boden zu weich war. Oder es gibt ein Mausjahr und alles ist weg. Man lernt so ein bisschen Landwirtschaft mit, was es wann gibt. 

FC Guad Co-Gründerin Lis Schiller und Wein4tler Neudenker-Initiatorin Elisabeth Egle im regen Austausch.

Der Landwirt hat eine fixe Abnahme und kann planen.

Elisabeth Egle: Wie bringen sich bei euch die Mitglieder ein? 
Lis Schiller: Wir müssen nicht davon leben. Wir gönnen uns diesen Service. Und wenn mehr mitmachen, ist das super. Es gibt auch keine Absicht zu wachsen. Im Gegenteil, wir wollen so bleiben, wie es jetzt ist. Und von wegen Mitarbeit. Wir sind da sehr entspannt und unbürokratisch und machen uns das untereinander aus. 

Elisabeth Egle: Warum soll ein Landwirt an einer Food Coop teilnehmen?
Lis Schiller: Er hat eine fixe Abnahme und kann planen. Viele Landwirte im Weinviertel sind bereits Food Coop erfahren und liefern nach Wien.

Elisabeth Egle: Verändert das etwas bei einem, wenn man bewusst einkauft oder gute Lebensmittel zu einem wichtigen Lebensinhalt macht?
Lis Schiller
: Mir wurde viel bewusster, was für eine Arbeit Gemüseanbau ist. Ich sehe das bei unserer Kollegin Petra Reidlinger-Kuril, die im Nebenerwerb Biobäuerin ist. Der Aufwand ist groß aber kosten darf es dann nichts! Ich glaube auch, dass ich weniger wegwerfe, seit ich so einkaufe, weil ich die Mühe sehe, die dahintersteht. 

Wenn wir drei, also Petra Reidlinger-Kuril, Martina Umscheid und ich nicht so viel hineinbuttern würden, würde das nicht gehen.

Elisabeth Egle: Ist ein Food Coop-Einkauf teurer?
Lis Schiller:
 Viele glauben, so einzukaufen, wie bei uns, ist automatisch teurer. Wir haben doch 90 Prozent Bioanteil im Sortiment. Mitglieder haben einmal eine Vorher-Nachher Berechnung gemacht.  Es ist tatsächlich günstiger. Wir vermuten, weil man besser plant und dadurch weniger wegwirft. 

Elisabeth Egle: Welche Empfehlungen haben Sie für Menschen, die eine Food Coop gründen möchten? 
Lis Schiller: Ich bin jetzt nicht so die Wahnsinns-Strategin. Das hat sich alles gefügt und durchs Reden sind wir zusammengekommen. Dann haben wir gesagt, probieren wir es einfach, es kostet uns nichts. Wichtig sind die richtigen Leute, davon hängt der Erfolg ab. Wenn wir drei, also Petra Reidlinger-Kuril, Martina Umscheid und ich nicht so viel hineinbuttern würden, würde das nicht gehen. Es ist schon viel Arbeit, aber die Leute merken, dass es eine Supergeschichte ist. 

www.fc-guad.at
Foto FC Guad Gründerinnen: Daniel Gepp

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