Lena Mayr: Es gibt praktisch nichts, das man nicht lernen kann

Lena Mayr und Ulrich Weitschacher haben wir im Februar 2021 besucht. Sie haben damals mit der Kernsanierung ihrer 200 Jahre alten, fantastischen Mühle in Altenmarkt im Thale begonnen, die sie im Jahr 2018 gekauft haben. Die Böden waren bereits ausgehoben und sie hatten den Plan, zu Weihnachten einzuziehen. Das erschien uns schon auf Grund unserer eigenen Erfahrung damals unmöglich, aber wir haben nichts gesagt. Und eigentlich ist es ein kleines Weihnachtswunder, dass sie das, mit ein paar kleinen Abstrichen aber doch, tatsächlich schaffen. Dazwischen lagen der Besuch eines Althaussanierungs-Seminares im Waldviertel, unzählige Stunden am Bau und die Erkenntnis, dass es praktisch nichts gibt, das man nicht lernen kann. Wir haben sie in ihrer wohlig beheizten „Wohnkathedrale“, die auf den Bodenbelag und die Lichtschalter wartet, besucht und nach ihren Erfahrungen der letzten Monate gefragt. 

Interview: Elisabeth Egle, Fotos: Klaus Egle

Volle Unterstützung von Vater Mayr, der sich für das Bauprojekt seiner Tochter viel Zeit nimmt.

Keiner von uns hat eine handwerkliche Ausbildung, aber die richtigen Fähigkeiten.

Elisabeth Egle: Im Sommer 2018 habt ihr gekauft, und uns im Februar 2020 gesagt, noch in diesem Jahr einzuziehen. Da war das Haus teilweise innen ausgehöhlt und das Dach überstiegen. Was ist inzwischen passiert? 
Lena Mayr: Es war uns bewusst, dass wir selber extrem viel an Arbeit investieren werden. Gewerkt haben hauptsächlich Uli (Ulrich Weitschacher) und ich. Dazu kamen unsere Väter, die uns sehr viel geholfen haben und unsere Geschwister und Freunde. Keiner von uns hat eine handwerkliche Ausbildung, aber die richtigen Fähigkeiten. Als der Glasschaumschotter für die Bodendämmung geliefert wurde, haben wir uns einen Bagger gemietet und zu zehnt drei Tage lang das Material in das Haus eingebracht. Dann haben wir einige sehr gute Professionisten, die ihr Handwerk verstehen.

Elisabeth Egle: Wo habt ihr euch das fehlende Wissen für den Lehmputz geholt?
Lena Mayr:
Im August haben wir ein Althaussanierungs-Seminar in der „Akademie der Lehmkünste“ beim Toni Auer gemacht. Er war auch der, der gesagt hat, wir sollen uns „nicht anscheißen“ – weil nichts passieren kann. Das war in der Zeit, als uns alle gesagt haben, wir können nicht selber verputzen. Und sonst haben wir, wenn wir etwas nicht wussten, bei Google und Youtube nachgeschaut oder einfach jemanden gefragt, der es weiß.

Bauherr Uli, der kongeniale Partner von Lena Mayr.

Lena Mayr genießt den Blick in den Garten.

Ich empfehle, sich mit Leuten zu umgeben, die das Projekt befürworten. Die nicht versuchen, dich davon abzubringen. 

Elisabeth Egle: Ist dieser unglaubliche Arbeitseifer auch irgendwann erlahmt?
Lena Mayr:
Überhaupt nicht, wir haben uns genau angeschaut, für welche Arbeit brauchen wir wen, damit wir niemanden überfordern und vor allem überstrapazieren. Wir haben einen großen Kalender mit dem Einzugsdatum als Ziel im Haus stehen. Da tragen wir mit Bleistift die einzelnen Arbeitsschritte ein. Oft haben wir ausradiert und neu eingetragen. Wir können natürlich nicht immer genau einschätzen, wie lange die einzelnen Arbeitsschritte dauern. Wir wollten einen Lehmputz haben und haben alles selber verputzt. Weil es auch eine Kostenfrage war. Was wir nicht gewusst haben war, dass man auch einen Vorputz braucht. Das hat uns dann noch eine Woche gekostet, die nicht eingeplant war.

Elisabeth Egle: Sie haben damals gesagt, Sie haben praktisch einen intakten Rohbau gekauft und wissen, dass dieses Haus leistbar ist. Und wenn sich dennoch herausstellen sollte, dass ein Teil nicht mehr sanierungsfähig ist, dann bleibt er eben einfach einmal stehen. Welcher bleibt jetzt einmal stehen?
Lena Mayr: Das mit dem Rohbau hat sich tatsächlich bewahrheiten, denn es gab während der gesamten Bauphase keine negativen Überraschungen. Was jetzt einmal stehen bleibt, weil wir es finanziell und zeitlich nicht angreifen können, ist das Mühlengebäude, in dem die Tischlerei drin war. Es ist auch nicht aufgeschoben, sondern es war immer der Plan, dass es so ist. Uns war wichtig, dass wir im vorderen der beiden Wohnteile auch den Boden bereits aufgebaut haben. Das bleibt jetzt so stehen. Wenn ich meine Masterarbeit nächstes Jahr abgeschlossen habe, widmen wir uns der Fertigstellung dieses Bereiches. 

Ich glaube, dass ganz vielen Leuten solche Projekte irrsinnig Spaß machen würden, aber im Mainstream herrscht soviel Gegenwind, dass man sich das nicht traut. 

Elisabeth Egle: Wenn jemand einen Altbau sanieren will, was würden Sie ihm empfehlen, gleich von Beginn an mit einzuplanen?
Lena Mayr:
Sich mit Leuten zu umgeben, die das Projekt befürworten. Die nicht versuchen, dich davon abzubringen. Das funktioniert nicht, weil man dann ständig im Zweifel ist. Klar muss ich darauf achten, dass ich genug Geld habe, um es mir leisten zu können. Die Bank braucht auch eine Sicherheit. 

Elisabeth Egle: Gibt es noch etwas?
Lena Mayr: Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob es nur eine finanzielle Sache ist. Wenn wir mittendrin gemerkt hätten, das Geld reicht nicht, dann hätten wir nicht 125 Quadratmeter ausgebaut, sondern einfach nur 80. Oder wir hätten nicht die bodengleiche Dusche genommen, sondern eine gebrauchte Duschtasse. Man kann sehr viel an den eigenen Ansprüchen schrauben, bis man dorthin kommt, dass es mit dem Budget passt. Wo wir nicht gespart haben, war bei der Pellets-Heizung. 

Elisabeth Egle: Und wie stehen Sie heute zur Kostenfrage? Sie wollten damals das Dach neu decken, haben es aber dann aus Kostengründen nur übersteigen lassen. 
Lena Mayr:
Ja, aber ich habe überhaupt keine Sorge, dass mir das Dach auf den Kopf fällt, weil ich ein gewisses Vertrauen in die Substanz habe. Da mag jetzt naiv klingen aber das Haust steht seit 200 Jahren so da, wie es dasteht. Das, was akut am Dach war, haben wir ausgebessert und das bleibt jetzt einmal so. 

Der erste Adventskranz im neuen Zuhause

Ich bin nicht der große Fan davon, dass jetzt jeder sein eigenes Haus baut. Man kann ein Haus auch gemeinsam kaufen und den Garten teilen.
Wichtig bei der Planung ist die Privatsphäre.

Elisabeth Egle: Unser Interview mit euch über den Projektstart im Februar hat ziemlich viel Aufsehen erregt. Was glauben Sie, woran das liegt?
Lena Mayr: Ich glaube, dass ganz vielen Leuten solche Projekte irrsinnig Spaß machen würden, aber im Mainstream herrscht soviel Gegenwind, dass man sich das nicht traut. Das ist das eine. Dazu kommt die Bewunderung für das Alte und dass man so nah am Ursprünglichen dran ist, was die Leute fasziniert. Und dann, weil es einfach anders ist. Weil man aus eigener Kraft und Willen etwas auf die Beine stellt, was man sonst nur in großen Wohn-Magazinen liest. 

Sie haben die gesamte Wohnfläche in zwei Wohneinheiten aufgeteilt. Jede hat einen eigenen Garten. Die mit 80 Quadratmeter planen Sie zu vermieten. Reicht Ihnen das, weil doch alle immer groß, größer, am größten bauen. 
Lena Mayr: Selbst wenn wir drei Kinder hätten, geht sich das Wohnen auf 125 Quadratmeter leicht aus (lacht). Ich bin grundsätzlich nicht der große Fan davon, dass jetzt jeder sein eigenes Haus baut. Das ist ja das Interessante an der Immobilienentwicklung. Sie zwingt uns dazu, näher zusammenzurücken. Da muss man nicht gleich an eine Kommune denken. Das kann auch mit den Geschwistern oder den besten Freunden sein. Man kann doch auch ein Haus gemeinsam kaufen und den Garten teilen. Wir sind alle so auf Eigentum fixiert. Das Wichtige bei der Planung ist, dass ich trotzdem Privatsphäre haben. 

Der zweite Wohntrakt, die zukünftige Mietwohnung mit 80 Quadratmetern, einem eigenem Garten und sehr netten Vermietern.
Im Wohnzimmer steht der zukünftige Sofaplatz zur Probe.

Was uns beiden in die Hände spielt – wir arbeiten beide Teilzeit.

Elisabeth Egle: Sie haben im Februar gesagt, dass sich eine Sanierung von alter Bausubstanz wie hier nur lohnt, wenn alle am Projekt beteiligten eine Leidenschaft dafür haben. Hat das gehalten?
Lena Mayr: Beim Uli und bei mir auf jeden Fall. Als der Putz oben war und wir gesehen haben, wie sich das Projekt verändert hat, wurde die noch stärker. Klar gibt es Momente, wo wir dann im nachhinein gehört haben, ja toll, wie ihr das geschafft habt, wir hätten das nicht geglaubt. Ich bin froh, dass sie es uns nicht vorher gesagt haben, weil es uns nicht hilft. 
Auch jetzt war wieder so ein Moment, wo jemand sagte, dass sie nicht glauben, dass wir bis Weihnachten fertig werden. Wir sind aber genau in unserem Zeitplan. Da habe ich ihnen dann gesagt, dass mir das nicht hilft und sie gebeten, sich zurückzuhalten. Das frustriert zwar, aber es hilft, wenn man darüber sprechen kann.

Elisabeth Egle: Wie sieht euer berufliches Leben neben dem Bauleben aus? 
Lena Mayr:
Was das Studium betrifft, habe ich mich jetzt sehr schwer getan. Seit drei Jahren schreibe ich an meiner Masterarbeit, werde aber nicht fertig, weil ich nie die Zeit hatte. Ich bin sehr perfektionistisch und das Ergebnis muss meinem Anspruch entsprechen. Uli ist an einem Tag in der Woche nicht verfügbar, weil er da College hat. Was uns sehr in die Hände spielt – wir arbeiten beide Teilzeit. Einerseits müssen wir soviel selber machen, weil unser Budget definiert ist. Auf der anderen Seite können wir aber auch soviel selber machen, weil wir mehr Zeit haben. 

Elisabeth Egle: Was macht ihr eigentlich, wenn ihr nichts macht?
Lena Mayr:
Aktuell Keksebacken und ein weiteres altes Haus für eine Sanierung suchen, weil wir ja jetzt soviel können.

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