Innenarchitektin Martina Fürnkranz sagt, wohnen muss schön und praktisch sein

Im Weinviertel wird sehr viel gebaut. Innenarchitektin und Unternehmerin Martina Fürnkranz von „plan.loos!“ sagt, gerade deshalb sollte es wohl überlegt sein, damit die Weinviertler Baukultur erhalten bleibt. Sie selbst hat in Loosdorf auf einem länglichen Grundstück gebaut. Es sind drei verbundene Baukörper auf einer Ebene, die für das Arbeiten, Wohnen und Schlafen genutzt werden. Ausgeführt in ökologischer Bauweise als Holzkonstruktion mit Lehmputz. Sie hatte bereits klare Vorstellungen vom Innenraum und diese mit dem Architekten geteilt. Die Bauform des Weinviertler Stadels diente als Vorbild. Alles ist flexibel geplant, sehr klar eingerichtet und man könnte jederzeit ein Mehrfamilienhaus daraus machen. Soviel Ideenreichtum hat uns neugierig gemacht und wir wollten wissen, was macht eine Innenarchitektin im Weinviertel. 

Interview: Elisabeth Egle, Fotos: Klaus Egle

Weinviertler Neudenker-Gründerin Elisabeth Egle freut sich mit Innenarchitektin Martina Fürnkranz über den prächtigen Vorgarten.

Das war schon die Grundüberlegung, das Haus so zu bauen, dass sich Wohnen und Arbeiten verbinden lässt.

Elisabeth Egle: Sie zitieren Adolf Loos „Man darf nur dann etwas Neues machen, wenn man etwas besser machen kann.“ Was heißt das für Ihr Tun?
Martina Fürnkranz: Die Innenarchitektur funktioniert dann gut, wenn man sich genau die Abläufe der Personen anschaut, die dort wohnen. Man kann sagen „form follows function“. Eine vierköpfige Familie hat ganz andere Bedürfnisse als ein Single. Sie hat schon einmal viel mehr Jacken und Schuhe und braucht mehr Stauraum, ansonsten entsteht Chaos und das ist kein schönes Wohnen. Wohnen muss schön und praktisch sein. 

Elisabeth Egle: Wer ist das, der zu Ihnen kommt?
Martina Fürnkranz: Das sind Leute, die ein Wohnproblem haben bis hin zu Leuten, die neu bauen und praktisch auf der grünen Wiese starten. Es kommen auch Gewerbetreibende, aber ich habe mich eher auf Private spezialisiert. Mir ist der persönliche Kontakt sehr wichtig. Manche brauchen eine schnelle Skizze und manche begleite ich auf dem ganzen Weg –  von der Baustellenkoordination bis hin zum Dekokissen!

Ich lasse meine Kunden an meinem Wohnen teilhaben.

Elisabeth Egle: Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie in Loosdorf Ihr Atelier eröffnet haben?
Martina Fürnkranz: Der Grund ist die Familie. Wir sind Weinviertler und wollten, dass unsere zwei Kinder im Weinviertel aufwachsen. Ich habe jetzt viele Jahre in Wien gelebt und in mehreren High End-Innendesignstudios gearbeitet. Mein erster Sohn kam auf die Welt und ich wusste, eine 50 bis 60 Stundenwoche in Wien funktioniert nicht, wenn ich am Land mit meinen Kindern wohnen will. Das war schon die Grundüberlegung, das Haus so zu bauen, dass sich Wohnen und Arbeiten verbinden lässt. 

Elisabeth Egle: Was bedeutet es für Ihre Kunden, dass Sie Ihr Büro jetzt im Weinviertel haben?  
Martina Fürnkranz: Für sie hat es den Vorteil gebracht, dass sie sehen, wie ich lebe. Ich bin doch sehr nahe an ihnen dran und ich will wissen, wie sie leben. Da ist es nur fair, dass sie auch sehen, wie ich lebe. Ich zeige meinen Kunden das Privathaus und lasse sie teilhaben an meinem Wohnen. Auch die Küche ist so geplant mit ihren sechs verschiedenen Griff-Varianten und drei unterschiedlichen Arbeitsplatten, damit ich ihnen viel zeigen kann. Ich wechsle auch immer wieder verschiedene Dinge um selber zu testen, was funktioniert, was gut für mich ist und auch gut für meine Projekte sein könnte.

Bei mir ist es auch eine Berufung.

Elisabeth Egle: Wie kommt man zu Ihrem Beruf? 
Martina Fürnkranz: Man braucht schon eine einschlägige Ausbildung, aber es gibt in Österreich kein Studium der Innenarchitektur. Nach der Matura habe ich in Mödling ein Kolleg für Möbel- und Innenausbau besucht. Es ist eine sehr gute, praktische Ausbildung und ich hatte viel mit Handwerk zu tun. Mittlerweile gibt es die New Design University mit einem Innenarchitektur-Zweig, mit denen unser Interessensverband „Bund Österreichischer Innenarchitektur“ kooperiert. Dort bin ich ein sehr aktives Mitglied und sorge für die Qualitätssicherung. Es gibt noch immer viel Nachholbedarf und wir arbeiten intensiv daran, diese Schieflage zu begradigen. 

Elisabeth Egle: Und wie kamen Sie darauf, diesen Beruf zu machen?
Martina Fürnkranz: Bei mir ist es auch eine Berufung. Meine Eltern waren selbstständig und mein Vater hatte einen technischen Beruf. Ich habe früh bei ihm viel mitgeschnuppert. Dazu kommt ein großes Talent, was das Zeichnen, das Künstlerische und Technische, also das Arbeiten mit den Händen, betrifft. Mich hat die im Kolleg angebotene Tischlerausbildung sehr gelockt, obwohl ich mich nie als Tischler im klassischen Sinn bezeichnen würde. 


Elisabeth Egle: Aber diese Tischlerausbildung hilft Ihnen jetzt, oder?
Martina Fürnkranz: Sie hilft, weil, wenn ich ein Möbel designe, muss ich ja wissen, wie baue ich es. Es geht darum, Holz auch zu verstehen und zu begreifen, was ist Weichholz, was ist Hartholz und kann ich überhaupt einen Sessel mit diesem Holz bauen? Es hilft schon, an der Sache dran zu sein und die Dinge wirklich von Grund auf zu lernen. 

Elisabeth Egle: An welchem Planungspunkt kommen Sie dazu? 
Martina Fürnkranz: Meistens zu spät (lacht). Oder anders gesagt, je früher, desto besser. Weil da kann ich noch aktiv in das Baugeschehen in Absprache mit dem Architekten oder Baumeister eingreifen. Wenn jemand etwas Besonderes will, komme ich auch ins Spiel. Es ist eben so, dass das Innen und das Außen immer zusammenspielen. Ich arbeite eng mit Architekten und Baumeistern zusammen, manchmal schicken mir die Kollegen ihre Kunden, wenn sie sehen, sie kommen bei der Innenraumplanung nicht weiter. Ich habe den Vorteil, ein bisschen breiter aufgestellt zu sein, denn ich betrachte den Raum mit seiner Gesamtfunktion. Dazu gehören neben den Möbeln auch die Beleuchtung, die Materialien und die Farben. 

Es hilft schon, an der Sache dran zu sein und die Dinge wirklich von Grund auf zu lernen. 

Das Finetuning, also die Materialien, Formen und Farben fließen erst hinein, wenn das Gerüst steht. 

Elisabeth Egle: Sie sagen, ihr Schwerpunkt ist die Raumgestaltung von Anfang bis zum Ende. Was heißt das im Baualltag?
Martina Fürnkranz: Es ist ein sehr technischer Beruf, den ich mache. Man muss schon von vorne anfangen. Ich beginne, den Raum zu analysieren, höre zu, was der Kunde alles haben will, dann wird der Maßstab hergenommen und die Möbel werden gestellt. Das Finetuning, also die Materialien, Formen und Farben fließen erst hinein, wenn das Gerüst steht. Es ist schon vorgekommen, dass sich aufgrund meiner Analyse die Fenster verschoben haben oder sogar vergrößert wurden. Zugemauert wurden sie auch schon. Da ist es natürlich ganz wichtig, mit guten Partnern zusammenzuarbeiten. 

Elisabeth Egle: Es hat nicht jeder Mensch so ein abstraktes Vorstellungsvermögen. Wie vermitteln Sie dem Kunden Ihre Idee?
Martina Fürnkranz: Ich plane von Hand. Nach den Erstgesprächen, in denen ich sehr viel zuhöre und frage, bekommt der Kunde von mir mehrere Handskizzen, in denen die Lösung schon verpackt ist. Wenn die passt, wird das in einem neuen Entwurf zusammengebaut, den ich in einem 3D-Plan zeichne. Da kann ich variabel auf Knopfdruck jede Farbe und Struktur darstellen. 

Gute Innenarchitektur ist nachhaltig und klar.

Elisabeth Egle: Gute Innenarchitektur sollte Ihrer Meinung nach wie sein?
Martina Fürnkranz: Nachhaltig. Das bedeutet, auch den Bedürfnissen angepasst. Dann funktioniert gutes Wohnen auch lange. Ich finde es schön, wenn zum Beispiel Möbel weitergegeben werden. Also nicht immer alles gleich weggeben. Und gute Innenarchitektur ist klar. 

Elisabeth Egle: Was bedeutet für Sie Zuhause?
Martina Fürnkranz: Mein Zuhause ist da, wo meine Familie ist. Das ist auch der Grund, warum wir wieder im Weinviertel sind. 

Ein individuelles Haus, so wie wir es haben, kostet das Gleiche, wie wenn ich nicht optimal baue.

Elisabeth Egle: Sie sind erfolgreich auf Instagram unterwegs. Hat Social Media die Arbeit des Innenarchitekten verändert?
Martina Fürnkranz: Ja, definitiv. Die Kunden sind viel informierter, sie sehen viel mehr und das macht es für mich leichter. Ich finde das eine positive Entwicklung. Negativ ist, dass jeder glaubt, man lebt so. Das sind ja auch nur Ausschnitte aus dem Leben. Neu sind die „Fotografier-Spots“ in der Küche oder im Bad, damit alles in einer schönen Perspektive gezeigt werden kann. 

Wohnen, schlafen und arbeiten auf einer Wohnebene war schon immer so in den Weinviertler Hakenhöfen.


Elisabeth Egle: Ihr Haus ist modern, sieht aber aus wie ein Weinviertler Stadel. Ist so zu bauen teurer?
Martina Fürnkranz: Meiner Ansicht nach nicht. Ein individuelles Haus, so wie wir es haben, kostet das Gleiche, wie wenn ich nicht optimal baue. Ein Stockhaus war für uns keine Option. Wir wollten altersgerecht bauen, wir wollen das Haus trennen und teilen können, wohnen, schlafen und arbeiten auf einer Wohnebene. Das war schon immer so in den Weinviertler Hakenhöfen.

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Raumplanung und Innenarchitektur
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