Heinrich Ledebur: Farming for future, fitness and fun

Interview & Fotos: Elisabeth Egle und Klaus Egle

Mit Heinrich Ledebur haben wir jemanden kennengelernt, der im Grunde genommen das Beste aus allen regenerativen Landwirtschaftsformen in Pulkau umsetzt. Dort zeigt er, wie Landwirtschaft auch in Zukunft noch funktionieren könnte. Heinrich Ledebur wollte schon von klein auf Bauer werden. In Oberösterreich hat er auf dem großväterlichen Hof lange Sommer verbracht, die seiner Meinung nach nie hätten enden sollen. In Frankreich hat er in einer therapeutischen Einrichtung für Suchtkranke die Landwirtschaft aufgebaut, später bringt ihn eine Ausbildung zum Trainer für Landwirtschaftliches Unternehmertum in die Erwachsenenbildung. 2003 meldet er das Gewerbe der Unternehmensberatung an, schult in Afrika landwirtschaftliche Ausbildner in Sachen Landwirtschaft und gelangt über Umwege in das Weinviertel. Dort wagt er nun mit Freunden eine Kooperation im regionalen Gemüsebau mit dem Namen „Bio à la Karth“.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Maximierung der Bodenfruchtbarkeit in all ihrer Komplexität. Dem landwirtschaftlichen Unternehmer aus Leidenschaft, wie sich Heinrich Ledebur bezeichnet, geht um wesentlich mehr als nur um den Verzicht auf synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel, nur um das Bio-Mascherl auf das Etikett drucken zu dürfen. Wenn das intelligent und in Kombination mit smarter Technologie gemacht wird, kommt es nicht zu der vielzitierten Ertragsdepression, sondern zum Gegenteil.
Wir haben dieses Interview in zwei Teile geteilt, weil Heinrich Ledebur so viele Antworten auf unsere Fragen hatte.

Manchmal muß einen das Leben zum eigenen Glück zwingen.

Elisabeth Egle: Heinrich Ledebur, kann nur Bauer werden, wer in eine Bauernfamilie hineingeboren wurde?
Heinrich Ledebur: Die Landwirtschaft ist eine Branche, die in naher Zukunft verstärkt auch von innovativen Quer- und Neu-Einsteigerinnen bereichert wird. Damit wird sich das Diversitäts- und Dezentralisierungsprinzip nicht nur am Feld und in der Produktpalette inklusive Dienstleistungen, sondern auch bei den beteiligten Persönlichkeiten durchsetzen. Oder, wie ich gerne sage: F-F-F-F-F  = farming for future, fitness and fun.  

Elisabeth Egle: Was für ein Glück für das Weinviertel, dass Sie nicht in Afrika geblieben sind und sich 2016 im Weinviertel niedergelassen haben. Wie kam es dazu?
Heinrich Ledebur: 2016 haben meine Frau und ich einen Hof in Unternalb bei Retz mit dem festen Vorhaben gepachtet, daraus den kleinen Modellbetrieb für nachhaltige Landwirtschaft zu gestalten. Selber machen statt zu predigen war meine Erkenntnis aus dem „Entwicklungs-Zirkus“, den ich auch erleben konnte

Elisabeth Egle: Warum sind Sie jetzt in Pulkau?
Heinrich Ledebur: Manchmal muß einen das Leben zum eigenen Glück zwingen. 2019 mußten wir den gepachteten Hof sehr kurzfristig verlassen, da dieser verkauft wurde und der neue Eigentümer ihn selbst nutzen wollte. Die um die 50 gepflanzten, Bäume und Sträucher fingen gerade an ihre erste Ernte anzukündigen, und die erhaltene Investitionsablöse war nur eine kleine Milderung des Abschiedsschmerzes … das vor dem Hintergrund, dass es mindesten drei Vegetationsperioden, also drei Jahre braucht, um sich nur annähernd ein reales Bild der Standort-Verhältnisse zu machen. 

Elisabeth Egle: In Pulkau entwickeln Sie gerade einen Ort, an dem zunehmend sichtbar wird, wie Landwirtschaft auch in Zukunft noch funktionieren könnte. Was machen Sie anders? 
Heinrich Ledebur: Ich würde diese Form der regenerativen Landwirtschaft als die Integration von ertragsbringender, zeitgemäßer Lebensmittelproduktion, Permakultur, Agroforestry, Marketgardening und vielen andern sinnvollen Ansätzen bezeichnen. Wir streben langfristig an, landwirtschaftliche Arbeit auch wieder „sexy“ für die junge Generation und jung Gebliebene zu machen. Als ein berufliches Feld, das attraktive, gut bezahlte, sinnstiftende und inspirierende Arbeitsplätze bietet. Was auch einen wirtschaftlichen Mehrwert für die ganze Region mit sich bringt.

Die wahren Hungersnöte drohen eher, wenn wir diesen Weg nicht weiterentwickeln.

Elisabeth Egle: Glauben Sie, dass eine ökologische Landwirtschaft alle satt machen kann?
Heinrich Ledebur: Ja definitiv! Die wahren Hungersnöte drohen eher, wenn wir diesen Weg nicht weiter-entwickeln. Hunger war nur in wenigen Fällen eine Frage von fehlender Produktivität des gesunden Ökosystems. Er entstand entweder wegen einer Missverteilung der Güter oder gerade aus einer Folge von epidemischen Schadorganismen, die mit zunehmenden Monokulturen aufkamen und dann von der Agrarchemie „reguliert“ werden mussten. 

Die ständige Steigerung der Effizienz ohne Beachtung der Effekte führt uns in eine Sackgasse. 

Wir hören aber ständig, dass dann die Fläche viel intensiver genutzt werden müsste. Damit wären wir doch wieder dort, wo die konventionelle Landwirtschaft gerade steht. 
Ich frage mich auch wann und wo dieses seltsame Interpretation der Lage entstanden ist. Es muss eine massive Verwechslung und damit Disbalance von Effektivität und Effizienz sein. Das eine ist, die Dinge richtig tun, das andere ist, die richtigen Dinge tun. Beides hat seine Bedeutung, aber es macht keinen Sinn die falschen Dinge „richtig tun“ zu wollen. 

Es gibt also eine Wechselbeziehung von Effektivität und Effizienz?
Die ständige Steigerung der Effizienz ohne Beachtung der Effekte führt uns in eine Sackgasse. Praktisch heißt das bei richtiger Bewirtschaftung der Flächen produzieren diese ein Vielfaches im Sinne von effektivem Nährwert und dem Mehrwert der echten Nachhaltigkeit. 

Die ökologische Landwirtschaft ist für mich die einzig mögliche.

Wie sollte Ihrer Meinung nach die Landwirtschaft bewertet werden?
Als ein wichtiger , aber nicht alleiniger Player in der Verantwortung für ein gutes Klima im doppelten Sinne des Wortes. Und bei der ein sehr großer Hebel für die Gestaltung der Zukunft des Homo Sapiens auf dem Planet Erde liegt.

Wie sähe für Sie eine Welt aus, die auf ökologische Landwirtschaft setzt?
Sie ist für mich die einzig mögliche. Ich kann mir schwerlich eine andere Zukunft für uns Menschen vorstellen…. Zumindest keine, die ich unseren Kindern wünsche. 

Redaktionelle Anmerkung: In Kürze folgt der 2. Interviewteil.

Produkte aus dem Weinviertel, die für ein gutes Klima sorgen:

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