Hast du Strom für dein E-Auto? Über eine ausgezeichnete Businessidee.

Interview und Fotos: Elisabeth Egle und Klaus Egle

Wir finden, um ein Wein4tler Neudenker zu sein, braucht es die Haltung „etwas zu unternehmen“. Uns geht es um unkonventionelle Ideen, Denk- und Arbeitsweisen, und um gerade damit erfolgreich am Wirtschaftsleben teilzunehmen. Dies erfordert besondere kulturelle Bedingungen, Vorbilder und Einstellungen. Im Fall von Sebastian Schuch und Jonathan Schort, die diesjährigen Landessieger für Niederösterreich beim „Fest der Ideen“ in der Kategorie Businessplan mit ihrem Projekt „Future Fuel“, scheinen die Vorbilder zum neuen Denken in der Familie zu liegen. Die Väter sind selbstständig. Auch sonst sind die beiden Maturaklässler ziemlich klar in Sachen Unternehmertum. Es war die angebotene Kombination aus Wirtschaft und IT, die sie damals überzeugt hat, den Digital Business-Schwerpunkt in der HAK Mistelbach zu wählen. Ihr Plan für die Zukunft? Auf dem steht das Studium der Wirtschaft oder IT.

Die Ausgezeichneten Sebastian Schuch und Jonathan Schort mit Urkunde und Projektname.

Das Thema Elektro-Mobilität ist sehr zukunftsorientiert.

Elisabeth Egle: Sebastian Schuch und Jonathan Schort, warum habt ihr beim „Fest der Ideen“ mitgemacht? 
Jonathan Schort: Das geht jedes Jahr von der Schule aus. Im Unterricht gibt es ein eigenes Fach dazu. Jeder in unserer Klasse hat einen Businessplan angelegt, aber durch den ersten Lockdown hat nicht jeder das Projekt verfolgt. Wir sind drangeblieben und haben eingereicht. 
Sebastian Schuch: Wir machen das im Unterricht als Projekt, arbeiten zuhause weiter daran und bekommen Feedback vom begleitenden Lehrer.

Elisabeth Egle: Was ist eure Geschäftsidee von „Future Fuel“?
Schort: Das Thema Elektro-Mobilität ist sehr zukunftsorientiert. Die Idee kam uns, weil in unseren Familien E-Autos genutzt werden. Preisgestaltung und Distanz können wir nicht beeinflussen, aber das Thema Tanken. Wir erleben im Alltag, wie schwierig es ist, eine Ladestation zu finden. Es ist ja nicht so, dass es an jeder Ecke eine für ein E-Autos gibt. Noch dazu eine, die von jenem Energie-Anbieter betrieben wird, für die der Fahrzeughalter registriert ist. 

Elisabeth Egle: Und das gibt es noch nicht?
Schort:
Wir sind nicht die einzigen, die daran arbeiten, aber unsere Recherche hat ergeben, dass das Meiste nicht so gut funktioniert. Es gibt teilweise sehr schlechte Bewertungen und wir wollten etwas, was für unsere privaten Zwecke gut funktioniert. Das wir auch wirklich brauchen können. 

Wir wollten Licht ins Dunkel bringen

Elisabeth Egle: In Wien beobachten wir, dass immer mehr E-Tankstellen gebaut werden. Wir dachten, man kann tanken, wo man will? 
Schort: Das ist das größte Problem, dass genau das nicht geht.
Schuch: Wir laden meistens zuhause auf. Unser E-Auto wird für kurze Wege in der Stadt verwendet, zum Beispiel zum Einkaufen. Da sind die Distanzen nicht so groß, dass man jetzt aufladen muss. Meine Mutter ist ein paar Mal nach Stockerau gefahren und musste laden. Sie hat es auch geschafft, eine Ladestation zu finden. Dort hat es geheißen, sie muss Mitglied bei diesem Verbund sein (Anm. Redaktion: ein Verbund ist Betreiber und Errichter von einem Ladestationnetz), um überhaupt laden zu können. Das geht nur mit monatlicher Mitgliedschaft. Bei manchen kann man mit Bankomatkarte zahlen, aber bei vielen nur über einen eigenen Account. 

Elisabeth Egle: Klingt kompliziert und aufwändig. Wer will schon seine Autofahrt planen.
Schuch:
Viele Verbünde sind Zusammenschlüsse von Tankstellen-Betreibern, damit sie auf eine größere Reichweite kommen. Jeder hat sein eigenes System mit eigener Karte. Da ist es für den Kunden überhaupt nicht transparent, wo er jetzt tanken kann.
Schort: Wir wollten Licht ins Dunkel bringen. Über die App kann ich alles erledigen – vom Suchen und Vergleichen der verfügbaren E-Tankstellen bis zum Tanken und zur Bezahlung.

Selbst ein Unternehmen zu führen, ist um einiges interessanter.

Elisabeth Egle: Verfolgt ihr euer Projekt „Future Fuel“ weiter?
Schuch: Wir werden es als Teil der Matura behandeln. Wir möchten die App programmieren, soweit es möglich ist. Manche Features können wir aus Zeitgründen nicht umsetzen, aber wir wollen soweit sein, dass man eine Route mit einem bestimmten E-Auto planen kann. Dann wird automatisch die Reichweite und Entfernung zur Tankstelle berechnet, dass man auch ans Ziel kommt. Man kann auch einstellen, dass man beim Verbund X Mitglied ist und das wird einem als Zwischenstopp ausgeworfen.

Elisabeth Egle: Ist zu gründen ein Thema für euch?
Schort: Auf jeden Fall. Selbst ein Unternehmen zu führen, ist um einiges interessanter. Ich finde, man hat auch mehr Motivation, seine Zeit hineinzustecken, wenn man weiß, das ist das eigene. Es ist natürlich mehr Stress, man muss sich um alles selbst kümmern, aber man kann auch mehr verdienen. 
Schuch: Unsere Väter sind selbstständig. Es liegt irgendwie in der Familie. 

Elisabeth Egle: Welchen Tipp würdet ihr den nächsten Teilnehmern geben?
Schuch: Grundsätzlich braucht man eine gute Idee, die die Juroren überzeugt. Und dann eine Idee nehmen, hinter der sie stehen können. 
Schort: Und schauen, dass die Idee zukunftsorientiert ist. Es sollte schon in die IT-Richtung gehen. Da steigen die Chancen, etwas zu reißen. 

Über das „Fest der Ideen“:
Das Netzwerk IFTE, Initiative für Teaching Entrepreneurship, in Wien, hat die Mission, Jugendliche durch Entrepreneurship Education zu Gestaltern der Zukunft zu machen. Das Team von IFTE arbeitet im Sinne der Aktionsforschung an der Umsetzung von Entrepreneurship Education, insbesondere zur Stärkung des Entrepreneurial Spirits.

Durch verschiedene Veranstaltungen fördern die Initiatoren die Entrepreneurship-Haltung junger Menschen. Jährliche Fixpunkte dabei sind: der Entrepreneurship Summit Wien, die Staatsmeisterschaften Schüler*innen Debattieren, der Wettbewerb „Next Generation“ und das Trash Value Festival sowie auf europäischer Ebene der Youth Start European Entrepreneurship Award und die Global Entrepreneurship.

Zukunftsorientierte Ideen aus dem Weinviertel zum Genießen:

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