Franziska Schilcher will mit „Horst Sitte“ DIE Strickfirma im deutschsprachigen Raum werden

Seit 1985 stellt das Strickwaren-Label Horst Sitte in Wolfpassing feinste Strickmode aus hochwertigen Materialien wie Merinowolle und Kaschmir her, die aus Italien bezogen werden. Seit 2016 leitet Franziska Schilcher die Geschicke des von den Eltern gegründeten Familienbetriebes. Sie zeichnet auch für die Kollektionen verantwortlich, die zwei Mal im Jahr neu auf den Markt kommen. Dabei geht es ihr um Glaubwürdigkeit, Handwerk und Exklusivität mit hohem Wohlfühlfaktor. Dem Unternehmen scheint der frische Wind gut zu tun: Begonnen mit einer Mitarbeiterin, beschäftigt die Strickmoden-Unternehmerin und Designerin nun bereits fünf.  

Interview und Fotos: Elisabeth Egle und Klaus Egle

Es geht um die Reduktion aufs Wesentliche, aber das bitte hochwertig.

Elisabeth Egle: Franziska Schilcher, Mode ist in den vergangenen Jahren zu einem Wegwerfprodukt geworden. Die Umwelt leidet unter den schnelllebigen Trends. Als Gegentrend ist „Slow Fashion“ aufgekommen. Um es mit der Lifestyle-Trendforscherin Li Edelkoort zu sagen, weg von unüberlegten Impulskäufen hin zu sinnvollerem und nachhaltigem Konsumieren. Hat das in der Mode Bestand?  
Franziska Schilcher: Mit dem Begriff „Slow Fashion“ als Buzzword verwendet, verknappen wir einen Sachverhalt, der bei uns schon seit 1985 eine Selbstverständlichkeit ist. Es geht um die Reduktion auf das Wesentliche, aber das bitte hochwertig. Meine Eltern haben nach diesen Prinzipien gearbeitet und ich führe das weiter. Slow Fashion heißt ja nicht, auf die schönen Dinge zu verzichten. Die Arbeit, die wir leisten, erfolgt sehr genau und gewissenhaft. Es wird bei uns ganz oft probiert und getestet, bis jede Naht richtig sitzt. Und ja, das Interesse an nachhaltiger und hochwertiger Mode, die individuell gefertigt wird, ist da und wird noch weiter steigen. 

Elisabeth Egle: Sie sagen, „Family Business handmade in Austria“. Von wieviel Austria reden wir hier?
Franziska Schilcher: Wir reden von 100 %. Von der Idee, dem Design, über das Stricken, bis hin zum Walken, Zuschneiden und Vernähen entstehen alle Teile dank jahrelang aufgebautem Know-how und der Liebe zum Detail in Handarbeit hier bei uns in der eigenen Manufaktur. Was wir machen, ist hochwertige Wohlfühlmode. Das einzig Zugekaufte sind die Garne, die wir von italienischen Traditionsbetrieben wie Zegna Baruffa, Marchi & Fildi und Linsieme beziehen, die ebenfalls großen Wert auf hochwertige Rohstoffe und hohe Produktionsstandards legen. Und was die „family“ betrifft, sind das außer mir noch meine Eltern, die Strickmoden-Profis sind, mein Bruder Artur Sitte – er wartet die Strickmaschinen – und mein Mann, der für die hochwertigen Fotoshootings verantwortlich ist. 

Merino ist unser USP.

Elisabeth Egle: „Made in Austria“ ist also ein Thema?
Franziska Schilcher: Es ist ein sehr großes Thema. Die Kunden möchten Dinge mit Geschichte, die ihnen lange Freude bereiten. Wir sind ein kleines Label und verbinden mit unserer Produktion in Österreich Qualität mit Nachhaltigkeit und edlem Design – und wir schaffen Arbeitsplätze in der Region. Trotzdem, leiwand ausschauen muss es schon. 

Elisabeth Egle: Aktuell arbeiten Sie mit den Materialien Merino und Kaschmir, möchten sich aber jetzt mehr auf Merino konzentrieren. Ist es Ihr Lieblingsmaterial?
Franziska Schilcher: Es ist unser USP. Merino ist feminin, weich und leicht zugleich. Unsere Besonderheit sind die Stücke aus gewalkter, extrafeiner Merinowolle. Wir haben dafür eigens einen aufwändigen Walkvorgang entwickelt. Das macht den Stoff so einzigartig in seiner Weichheit, Struktur und Passform und so vielseitig. Ich kann daraus leichte Pullover machen oder in gewalkter Form unsere Klassiker, die Mäntel. Ich finde, ich kann mit Merino meine modischen Visionen am besten realisieren. Meine Mäntel habe ich noch bei niemand anderem in dieser Art gesehen. 

Elisabeth Egle: Sie waren jahrelang Area-Managerin in der Textilbranche, haben Mitarbeiter geführt und hatten Umsatzverantwortung. Was haben Sie daraus als Wichtigstes mitgenommen? 
Franziska Schilcher: Struktur. Die braucht man in der Selbstständigkeit unbedingt. 

Elisabeth Egle: Wie war der Beginn?
Franziska Schilcher: Dramatisch. Ich habe alles selbst gemacht, Geschäftsführung, Akquise, Marketing, Verkauf und die Kollektionen. Voriges Jahr im März habe ich eine fantastische Vertreterin mit sehr guten Stores in ihrem Netzwerk und Kontakten gefunden. Durch sie habe ich mir eine Grundstabilität geschaffen, dass ich sagen kann, ich schaffe das. Dafür mache ich jetzt zwei Kollektionen im Jahr. 

Wenn sich eine Kundin bei uns einen Mantel kauft, ist der hier für sie gemacht – und das ist doch ein schönes Gefühl. 

Elisabeth Egle: Entwerfen Sie für einen bestimmten Typ von Frauen? 
Franziska Schilcher: Ich mache Mode für Frauen, die weder den Nerv noch die Ambitionen haben, sich drei Stunden lang vor dem Kleiderkasten damit auseinanderzusetzen, was sie anziehen sollen, und dann passt es noch immer nicht. Ich möchte Basics haben, die mit der Fashion gehen. Dabei greife ich Trends auf und verarbeite diese, aber mit drei Schritten will ich für den ganzen Tag gut angezogen sein. 
Schauen Sie mich an. Ich habe auch keine zehntausend Sachen umgehängt, ich will eine Hose anziehen, einen Sneaker oder Pumps dazu, einen Pulli und einen langen Horst Sitte-Mantel und alles ist gut. Es gibt vier oder fünf Key Basics, die man in seinem Kleiderschrank haben sollte. Das sind unaufgeregte und dauerhaft tragbare Stücke, in denen sich die Trägerin aber aufregend fühlt. So sind meine Teile. 

Elisabeth Egle: Sich mit gutem Gewissen etwas zu gönnen und in zeitlose und wertige Stücke zu investieren, die einen lange begleiten, spielt bei Ihrer Mode also eine große Rolle. 
Franziska Schilcher: Ich bin so erzogen worden: Es ist mir ein fast zwingendes Bedürfnis, etwas Wertiges an meinem Körper haben, weil ich es mir wert bin. Wir machen keine Massenware. Unser Ziel ist es, schöne Dinge nachhaltig und hochwertig zu produzieren. Wenn sich eine Kundin bei uns einen Mantel kauft, ist der hier für sie gemacht – und das ist doch ein schönes Gefühl. 

Elisabeth Egle: Wie kommen Sie zu neuen Ideen? 
Franziska Schilcher: Ich glaube zu wissen, was die Kundin möchte. Ich reduziere mich auf das, was essentiell wichtig ist. Mein Anspruch ist es, keine Sachen zu kreieren, die vielleicht super ausschauen, die man aber nicht tragen kann. 

Mit Horst Sitte die Strickfirma im deutschsprachigen Raum werden.

Elisabeth Egle: Was hat Ihnen persönlich am meisten weitergeholfen?
Franziska Schilcher: Ich habe meine ganze DNA umgepolt. Wie eine Gebetsmühle und mantramäßg habe ich mich jeden Tag auf „Erfolg“ eingeschwungen. Angefangen habe ich mit „Ich möchte“ und das wurde von „Ich bin“ abgelöst. 

Elisabeth Egle: Wie erfahren die Leute von Ihrer Marke?
Franziska Schilcher: Horst Sitte-Strickwaren werden in Österreich und in der Schweiz verkauft und wir arbeiten daran, in Süddeutschland Fuß zu fassen. Wir nutzen die Social Media-Kanäle, machen Pressearbeit und bauen einen Online-Shop auf.

Elisabeth Egle: Wohin wollen Sie mit Ihrem Unternehmen?
Franziska Schilcher: Mit Horst Sitte die Strickfirma im deutschsprachigen Raum werden.

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