Exkursion im Namen des Klimas: Jedem Strauch sein Vogel auf Gut Hardegg

Wieso streut Wein4tler Neudenker-Gründer Klaus Egle Vogelfutter durch die Gegend? Das ist nur eine von vielen Maßnahmen auf Gut Hardegg in Seefeld, um die Artenvielfalt zu fördern. Man fragt sich schon, wieso man jetzt Vögel füttern muss. Muss man, denn sie finden zu wenig zum Fressen. Auch in der schönen Jahreszeit. Die Landwirtschaft ist heute oft zu „sauber.“ Der Distelfink braucht Distelsamen, aber Disteln haben das Label „Unkraut“ und damit hinweg mit ihnen. Die sogenannte G’stettn, das ist dort, wo der Mensch seine ordnende Hand zurückzieht und sich ein Wildniseldorado für die großen und kleinen Tiere bildet, stört die saubere Landwirtschaft. Es ist aber nun einmal so, dass Vögel unterschiedlich Schutz und Nahrung brauchen. Und wenn man dann sieht und hört, welcher Aufwand auf Gut Hardegg betrieben wird, um die Artenvielfalt und Biodiversität zu fördern, stellt man sich vor, wie es doch wäre, wenn das deutlich mehr Landwirte machen würden. Um wieder zum Ermöglicher und Förderer der Artenvielfalt zu werden, die für uns alle zu einer Art Überlebenssicherung werden wird. Aber ja doch, wir sind Realisten und nur ein bisschen Idealisten.

Fotos und Text: Elisabeth Egle

Immer der Nase entlang… ein vierbeiniger Exkursions-Teilnehmer.
Geht es der Turteltaube gut, geht es den anderen Vögel gut.
DI Maximilian Hardegg erklärt, warum die Turteltaube bei ihnen soviel Aufmerksamkeit bekommt.
Ein Bereich des Gutshofes Hardegg in Seefeld-Kadolz.

Nur gesunde Böden können Wasser aufnehmen und speichern, sind fruchtbar und liefern hochwertige Produkte.

DI Maximilian Hardegg

Auf Gut Hardegg mit seinen 2.200 Hektar Land wird schon seit Jahrzehnten auf eine reich strukturierte Landschaft Wert gelegt. Auf der zweistündigen inspirierenden Feldwanderung, initiiert von der regionalen Plattform „Unser Klima Retzer Land„, erklärt uns DI Maximilian Hardegg seine Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt und wie er mit Wasser in Trockenperioden umgeht. Mit landschaftlichen Elementen wie Windschutzgürtel, Hecken, Blühstreifen und abgezwickten Ecken an Feldern wird die Landwirtschaft strukturiert. Sie wirken positiv auf das Kleinklima und dienen zur Lebensraum-Vernetzung. So gibt es eine Vielzahl von Feldgehölzen und Gräben sowie Begleitflächen zum renaturierten Pulkaubach, welche erhalten und gepflegt werden. Großer Wert wird auf die Beibehaltung des Busch- und Baumbewuchses gelegt, Gräben werden nicht ausgemäht, sondern bepflanzt – Gras und Schilf bleiben kurz und das Wasser wird zur Kühlung beschattet. Windschutzgürtel sind mit Wassergräben kombiniert um ein optimales Zusammenspiel von Versickerung und Verdunstung zu erreichen. Blühflächen bleiben stehen und werden nur alle zwei Jahre gemulcht. Tabu ist das Mulchen im Frühjahr. Zu dieser Zeit brüten die Vögel und die Wildtiere vermehren sich. Leider eine vielgelebte Praxis unter vielen Bauern, genau im Frühjahr zu mulchen. Weil man da ja noch mehr Zeit hat. Man glaubt es kaum, ausgerechnet im Frühjahr findet ein nicht sichtbares großes Sterben auf sehr vielen landwirtschaftlich genutzten Feldern statt.

Im Jahr braucht ein Bienenstock bis zu 25 Liter Wasser.
Eines von zahlreichen Wasserlöchern, die auch künstlich bewässert werden.
Klaus Egle streut angereichertes Vogelfutter und Gregor Danzinger, Leiter der Klimamodellregion Retzer Land freut sich.
Wenn es im Weinviertel regnet, dann immer öfters in Form einer Sturzflut. Ein gesunder Boden kann das viele Wasser besser aufnehmen und speichern, bevor es abrinnt. Aus intelligent angelegten Speicherteichen wird bei extremer Trockenheit Pulkau-Wasser zur Bewässerung entnommen. Wohl dem, der ein Wasserrecht hat.
Die Distel ernährt den Distelfink. Leider laufen die Disteln unter dem Titel „Unkraut“ – also weg mit ihnen.

Die Maschinen sind heute so perfekt, dass leider nichts mehr auf dem Weg vom Feld auf den Hof verloren geht.

DI Maximilian Hardegg

Dieses Zuviel an Sauberkeit kurbelte den Ehrgeiz des Landwirten Hardegg an, ein bis drei Prozent der gesamten Erntemenge als Futter an die Vögel und Wildtiere zurückzugeben. Wir sprechen da schon einmal von 150 Tonnen… Die Gutshofmitarbeiter sind mit fixen Fütterungsstrecken eingeteilt – in unserem Fall hat Klaus Egle das Streuen übernommen.

Wein, Honig, Raps nativ gepresst und Vogelfutter, was darf es noch sein?

Bereits seit 15 Jahren wird das Weingut mit seinen 35 Hektar Weingärten biodynamisch geführt. Der Wein hatte in der Familie Hardegg immer schon eine besondere Bedeutung – der Weinkeller stammt aus dem Jahr 1640. Die wichtigsten Rieden liegen in unmittelbarer Umgebung von Schloss Seefeld, dem Wohnsitz der Familie. Bei den Weinen fehlt es an nichts: Von den eleganten Jahrgangsbesten in Weiß und Rosé über Grüne Veltliner und Rieslinge bis zu den Stars Pinot Noir und Viognier. Zum Kaufen gibt es auch eigene Produkte wie Vogelfutter im schicken Futterhäuschen, feinen Honig und natives Öl vom Raps kalt gepresst.

Klaus Egle übernahm spontan die Kommentierung der Weinverkostung, zu der Maximilian Hardegg zum Abschluss im Weinkeller einlud.

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