Erdäpfel-Experience #2: Der Schurke im Nadelstreif

Kartoffeln werden ausschließlich im Freiland angebaut und brauchen viel Aufmerksamkeit, wie wir jetzt merken. Wir haben einen neuen Mitbewohner auf unserem kleinen Feld bekommen: den Kartoffelkäfer. Hübsch schaut er aus mit seinen dunklen Längsstreifen auf den Flügeldecken, die an einen feinen Nadelstreif-Anzug erinnern. Er wird etwa einen Zentimeter groß und legt seine orangefarbenen Eier als Gelege auf der Blattunterseite ab.
Beim sonntäglichen händischen Abklauben drehen wir die Blätter gleich mit um, um die Eier abzustreifen, damit erst keine Larven schlüpfen können. Weil die fressen an den Blättern. Ohne ihre Blätter können Kartoffeln nicht assimilieren, also atmen und Nährstoffe einlagern. Die Knollen bilden sich nicht ordentlich aus und der Ertrag geht auf Null.

Fotos und Text: Elisabeth Egle

Unser Erdäpfel-Experience erweitert den Horizont

Seit 250 Jahren wird die Kartoffel in Europa angebaut und hat die Ernährungsgewohnheiten in der alten Welt revolutioniert. Dann kam er, der bedeutendste Schädling, der Kartoffelkäfer aus Colorado. Vor 100 Jahren mit Schiffstransporten in Europa eingeschleppt, hat er sich von Frankreich aus in alle Himmelsrichtungen ausgebreitet. Er hat bei uns keine natürlichen Fressfeinde, nicht einmal das Auberg Wiesenhuhn wollte ihn fressen, und ist höchst anpassungsfähig, was seine Resistenz gegen Pflanzenschutzmittel betrifft.

Wir bauen unsere Erdäpfel zum eigenen Vergnügen an, auch wenn es heißt, am heißesten Tag des Jahres auf dem Feld Teebaumöl zu spritzen – eine Pflanzenschutz-Maßnahme im Bioanbau – , die Kartoffelkäfer abzusammeln, die Eier abzustreifen und gleich die Larven mit. Unser Erdäpfel-Experience erweitert den Horizont. Es macht uns bewusst, in welchem Spannungsfeld ein Erdäpfelbauer arbeitet, wieviel er überlegen, planen und beachten muss. Egal, ob konventionell oder bio. Wir haben eine Klimakrise mit heißen und trockenen Sommern und warmen Wintern und die großen Anbauflächen bieten dem Kartoffelkäfer ideale Voraussetzungen für die Vermehrung. Ohne Pflanzenschutzmaßnahmen ist daher an eine Ernte nicht zu denken.
Landwirt Johannes Kraus beschreibt das Dilemma für den „normalen Landwirt“, der alle seine Erdäpfel an eine Sammelstelle bringt, im Wein4tler-Neudenker–Interview so treffend. Und was machen wir? Wir überwinden unseren Ekel, klauben Kartoffelkäfer ab und erfreuen uns am Wachstum – bis zur nächsten Herausforderung: Die kann eine Blattkrankheit oder der Drahtwurm sein.

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