efriends, die mit der Sonne tanzen.

Artikel und Fotos: Elisabeth Egle und Klaus Egle

Auf einer Million Dächern müssen bis zum Jahr 2030 Fotovoltaik-Anlagen installiert werden um die Klimaziele zu erreichen. So lautet der Plan der österreichischen Bundesregierung. Ja, die Fotovoltaik, die lange Zeit als teuer und ineffizient galt. Warum? Die Wasserkraft als erneuerbarer Energieträger ist im Land praktisch ausgereizt, fossile belasten die Umwelt und sollen möglichst komplett verschwinden. Das dadurch entstehende Vakuum füllen Windenergie und eben Strom aus Fotovoltaik.

Einer der Energiewende-Treiber ist Matthias Katt. Er findet, dass Solarstrom eine grenzgeniale Idee ist: „Ich sage, es wird in 20 bis 30 Jahren nichts anderes mehr geben als Fotovoltaik. Sie ist wartungsfrei, produziert mehr Energie als man hineinsteckt und rennt 20 bis 30 Jahre klaglos. Da kann nichts kaputt gehen.“ Hier kommt sein Unternehmen, der Ökostromanbieter „efriends“ ins Spiel. 2018 gegründet, ist das Start Up mit seiner Geschäftsidee Strom zu teilen mittlerweile die größte Energiegemeinschaft in Mitteleuropa, der über 500 Haushalte angehören. Und das „Headquarter“ der efriends befindet sich – im Weinviertel. Genauer gesagt in Nappersdorf. Dort hat das Start Up sein Büro in einer ehemaligen Fleischhauerei eingerichtet

Die Marktgemeinde Nappersdorf-Kammersdorf liegt im nordwestlichen Teil des Weinviertels in Niederösterreich – zwischen der Bezirkshauptstadt Hollabrunn und der Grenz- und Thermenstadt Laa an der Thaya.

Der Standort hat sich aus einer ganz einfachen Logik heraus ergeben.

Klingt cool, nicht wahr? Uns hat das gleich an ein „Garage“-Start Up“ erinnert. Silicon Valley-Interessierte können sich denken, warum. Tatsächlich hat sich der Standort aus einer ganz einfachen Logik heraus ergeben. Wie so vieles bei efriends. „Das ist das Haus von meinen Schwiegereltern und es stand leer. Ich bin 20 Jahre nach Wien in die Arbeit gefahren und wohne 15 Kilometer von hier entfernt. Die Kollegen sind aus dem Umkreis. Die Frage hat sich gestellt, ob wir jetzt alle 60 Kilometer nach Wien fahren oder 15 plus Kilometer hierher“, sagt CEO Matthias Katt. Er ist der einer der fünf Gründer von efriends. Mit ihm aktiv im Unternehmen sind auch die anderen drei: Klara Dimmel, Fritz Dimmel und Günther Pfannhauser.

Die Kacheln der ehemaligen Fleischhauerei sind heute Mini-Flipcharts.
Strom mit Mascherl: Die eFriends Watch, das Technologie-Kästchen.

Ich muss ein System finden, das sich ohne Förderungen ausgeht.

Entstanden ist die Energiegemeinschafts-Idee aus einer privaten Initiative. Gemeinsam mit Freunden und Familie hat Matthias Katt das „Energiebündel Weinviertel“ begründet, das gemeinschaftlich eine Fotovoltaik-Anlage betrieb und sich den Strom teilte. Für die zweite fertig geplante Anlage war der Standort, das Dach eines Feuerwehrhauses, gefunden. Jetzt wollte man um eine Förderung ansuchen. Matthias Katt erzählt: „Es war Silvesterabend, meine Frau hat ihren vierzigsten Geburtstag gefeiert. Exakt um Null Uhr musste man einreichen. Ich bin am Abend um fünf Minuten vor zwölf mit den anderen von der Feier weggegangen. In einem Zimmer haben wir versucht drei Stunden lang dieses Einreichformular zu bekommen. Aufgrund von Übertragungsproblemen im Weinviertel haben wir es zu spät gekriegt und waren draußen. Am nächsten Tag habe ich das Projekt genommen und gekübelt.“

Noch heute kann sich der Energiewende-Treiber darüber ärgern. „Das muss man sich einmal vorstellen. Da ist eine Gruppe gewesen, die gemeinnützig etwas machen will und wegen den Förderrichtlinien, dass nur die Schnellsten gewinnen, wurden wir ausgeschieden. Was soll das? Das ist doch kein Qualitätskriterium. Das hat mich so gegiftet, dass ich mir gesagt habe, so werden wir die Energiewende nicht schaffen. Deswegen habe ich mir gedacht, ich muss ein System finden, das sich ohne Förderungen ausgeht.“

Strom verschenken: Es geht den wenigsten darum, aus ihrem Strom das große Geld zu machen.

Matthias Katt will Strom cool machen. Wie das geht? eFriends bietet die Plattformtechnologie „eFriends Energy Control“ für private Haushalte oder gemeinschaftlich errichtete Anlagen, wie zum Beispiel die neue Anlage beim Windmühlheurigen Bergmann in Retz, an. Über die eFriends App finden und vernetzen sich die User, entscheiden, von wem sie Strom kaufen wollen, oder wem sie ihren selbst produzierten überschüssigen Solarstrom in Echtzeit zu welchem Preis verkaufen. Oder sogar verschenken. „Das geschieht häufig unter Familienmitgliedern“, so Matthias Katt. „Es geht den wenigsten darum, aus ihrem Strom das große Geld zu machen. Viele möchten ihrem Leben einen Sinn geben und bei einer Plattform mitmachen.“

In Mitteleuropa sind wir die größte Energie-Community mit über 500 echten Kunden.

Und wie wird man weltweiter Pionier? „Jede große Sache startet nicht nur einmal in der Welt. Das ist ein Blödsinn. Nichts entsteht aus dem Nichts. Das ist immer im Kontext zu sehen. In der Zeitung „Der Standard“ war von einem amerikanischen Energie-Sharing-Anbieter zu lesen, der das gleiche machte wie wir. Und nur wegen dem sind wir erstmals in Österreich wahrgenommen worden“, lacht Katt schon wieder. „Im Unterschied zu ihm hat unser Strom-Marktplatz österreichweit funktioniert. Wir sind die ersten gewesen, die die Technologie marktreif gemacht haben und live gegangen sind. In Mitteleuropa sind wir die größte Energie-Community überhaupt mit über 500 echten Kunden. Das sind Menschen, die das bewusst machen und dafür zahlen.“

Dass ich die richtigen Leute gefunden habe, die mit mir den Weg gehen wollten.

Angesprochen, was die Meilensteine für ihn waren, sagt er: „Die Idee war wichtig, und dass ich die richtigen Leute gefunden habe, die mit mir den Weg gehen wollten. Wir haben dann privat zusammen 100.000 Euro aufgestellt. Ich alleine hätte das alles nicht machen können. Von Seiten der Behörde war die eControl von Anfang an super. Die haben sich regelrecht über uns gefreut. Das Austria Wirtschaftsservice AWS hat uns sehr unterstützt und war der Schlüssel zum Erfolg. Die erhaltene Fördersumme hat uns Planungssicherheit gegeben, ich konnte meinen Job kündigen und mich ganz auf efriends konzentrieren.“ 

Energy Sharing als Beteiligungsmodell, um den Energiemarkt mit Sonnenstrom geteilt zu revolutionieren.

Irgendwann lernt man aber, dass nach einem schlechten Tag wieder gute Tage kommen.

Inzwischen bekommt das innovative Projekt auch Unterstützung von anderer Seite: Erst im Juli wurden in einer Crowdfunding-Kampagne bei der Crowdfunding Plattform für Start ups und KMU „CONDA“ insgesamt 250.000 Euro bei etwa 130 Investoren eingesammelt. Zuvor haben sie bei „2 Minuten, 2 Millionen“ reüssiert und seit kurzem beteiligt sich die RWA Raiffeisen Ware Austria mit rund 24 Prozent.

Uns interessiert, wie der Gründer mit Tiefpunkten umgeht, verläuft doch ein Unternehmens-Aufbau nicht immer gradlinig. „Auch ich habe schlechte und gute Tage. Irgendwann lernt man aber, dass nach einem schlechten Tag wieder gute Tage kommen. Das ist ein Reifeprozess.“ Zukunft passiert nicht, sie wird gemacht. Matthias Katt bringt es auf den Punkt: Die Sonne geht jeden Tag auf und unter. In der Zeit dazwischen ist Energie zum Nutzen da. Gute Idee, Leute, vernetzt euch. 

efriends Energy
Nappersdorf 51
2023 Nappersdorf 
Tel: + 43 2953 20102
Email: office@efriends.at
www.efriends.at

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