Das Wichtigste ist Mut und Selbstdisziplin, sagt Masseur Christopher Brückler

Der Leistungssportler Christopher Brückler hat sich mit 25 Jahren als Sport- und medizinischer Masseur in Laa an der Thaya selbstständig gemacht und sich mit seinem Behandlungsraum „Massage Christopher Brückler“ in einem Laaer Fitness-Center eingemietet, mit dem er kooperiert. Seine Überlegung: Die Fixkosten für den Anfang gering halten und langsam wachsen, wenn er seine zusätzliche Ausbildung zum Heilmasseur abgeschlossen hat. Seine wichtigsten Beweggründe für den Schritt in die Unternehmens-Gründung: Die flexible Zeiteinteilung, die ihm und den Klienten gleichermaßen zu Gute kommt und die Chance auf eine leistungsgerechte Entlohnung. 
Der Zeitpunkt erschien ihm optimal, da er noch nicht die Verantwortung für Kinder und Familie zu tragen hat. Also dachte er sich: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Dass kurz nach seiner Betriebsgründung die Corona-Krise kam, machte zwar alles schwieriger, lässt ihn aber nicht an seinem Weg zweifeln.

Interview und Fotos: Elisabeth Egle und Klaus Egle

Mir ist es bei der Anamnese sehr wichtig, dass auch der Klient versteht, worum es geht und was wir da jetzt anpacken – damit wir ein gemeinsames Ziel haben. 

Elisabeth Egle: Was uns gleich aufgefallen ist, ist das sehr überlegte und durchdachte Angebot von Anfang an. Wie kam das zustande?
Christopher Brückler: Ich finde es wichtig, schon bei der ersten Behandlung zu klären, was notwendig ist. Dafür sollte man durchaus einmal eine halbe Stunde für dieses Gespräch in Kauf nehmen,. Das ist auf jeden Fall besser als die ersten fünf Behandlungen verstreichen zu lassen, bis man eine Idee hat, was wirklich gemacht werden soll. Diese Vorgehensweise ist für viele Kunden überraschend, wenn ich nicht einfach nur sage „ausziehen und hinlegen“, sondern sie zuerst mit allen möglichen Fragen löchere und sie mir einmal genau anschaue. Ich habe mir gedacht, wenn ich das auf meiner Homepage gut erkläre, dann sind die Leute viel offener dafür. Dieses Vorbereitungsgespräch hilft auch dabei, zu entscheiden, ob es sich jetzt wirklich um einen Fall für den Masseur handelt oder ob das ein Arzt abklären sollte.

Elisabeth Egle: Was ist bei dieser Anamnese Ihr wichtigstes Instrument?
Christopher Brückler: Ein Befund liefert einmal wichtige Anhaltspunkte, auf was man zu achten hat. Aber wenn ich zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall hernehme, dann weiß ich oft gar nicht, wie lange der den schon hat. Also beginne ich einmal mit einem Sichtbefund. Wie steht der, wie bewegt er sich? Dann kommt das Abtasten, ohne das man gar nichts sagen kann. Ist es der  Bandscheibenvorfall, der Beschwerden macht oder ist es nur ein muskuläres Problem? Oder passt vielleicht die Stellung der Wirbelsäule nicht? Ich hatte schon Fälle, bei denen sich die Patienten mit ihren Beschwerden abgefunden haben und dann ließ sich das Problem durch Massage lösen. Mir ist es bei der Anamnese sehr wichtig, dass auch der Klient versteht, worum es geht und was wir da jetzt anpacken – damit wir ein gemeinsames Ziel haben. 

Das Skelett „Otto“.

Man muss eben auch selbst was tun, das mögen nicht alle.

Elisabeth Egle: Und geht dieser Plan auf?
Christopher Brückler: Es wird immer besser. Man darf nicht vergessen, dass man allgemein erst seit zehn, vielleicht fünfzehn Jahren „zum Masseur geht“. Vorher war das eher etwas Verschrieenes, vergleichbar damit, zum Psychologen zu gehen. Vor allem die älteren Menschen am Land sagen gerne: „Zum Masseur gehen? So was brauche ich nicht!“ Und was dazukommt: Man muss eben auch selbst was tun, das mögen nicht alle. Beim Arzt bekommt man seine Spritze oder sein Pulverl und der Mensch sagt: „Super, jetzt geht’s wieder!“ Aber Tatsache ist: Will man nachhaltig etwas verändern, dann muss man seinen Beitrag leisten – das ist wie bei einer Ernährungs-Umstellung. Der Profi kann dabei immer nur die Hilfestellung geben. 

Es gibt ja auch bei der Problemstellung Parallelen zwischen Spitzensportlern und „normalen“ Menschen.

Elisabeth Egle: Sie sind ja selbst Sportler, hilft Ihnen das bei der Ausübung ihrer Tätigkeit?
Christopher Brückler: Ich war als Läufer ein ambitionierter Leistungssportler, war aber sehr oft verletzt. Da fiel mir auf, dass man oft abgespeist wird, mit dem Rat: „Mach halt ein wenig Pause…“. Ein anderes Problem ist, dass man sich die ganzen nötigen Behandlungen oft gar nicht leisten kann. Da komme ich „meinen“ Sportlern entgegen, die kommen dann dafür auch öfter und wir erzielen so sehr gute Ergebnisse: Sie kommen vorwärts und ich habe zufriedene Kunden. Der Kontakt mit Sportlern hat für mich aber auch noch weitere Vorteile. Während meiner Ausbildung zum Sportmasseur habe ich sehr oft mit Profiteams zusammengearbeitet und da kommen immer die neuesten Geräte und Techniken zum Einsatz, die man in der Breiten-Anwendung noch gar nicht kennt. Ein gutes Beispiel waren dafür vor einigen Jahren die Faszienrolle, die heute eine breite Anwendung finden. Ein anderes Beispiel sind Kinesio-Tapes, die auch aus dem Bereich des Spitzensports kamen. Es gibt ja auch bei der Problemstellung Parallelen zwischen Spitzensportlern und „normalen“ Menschen: Der eine hat einen Tennisarm vom Tennisspielen, der andere von der Computerarbeit mit der Maus. Beide sollten möglichst schnell wieder fit sein: Der eine, weil sonst seine Sponsoren abspringen, der andere, weil sein Job in Gefahr ist, wenn er monatelang im Krankenstand ist.

Mir ist wichtig, dass ich meiner Qualifikation entsprechend entlohnt werde.

Elisabeth Egle: Nochmals zum Werdegang…
Christopher Brückler: Ich habe eine klassische Masseur-Lehre in der Therme gemacht, das war dann ein großer Vorteil bei meiner Ausbildung zum medizinischen Masseur, weil ich der Einzige war, der wusste, wie man die Leute angreift. Der Körper ist ja wie eine Landkarte, die man lesen können muss. Dafür braucht man auch ein Wissen über die Anatomie. Erst wenn man das hat, hat man die Sicherheit, dass man das Richtige macht. Wobei ich immer sehr vorsichtig beginne und dann erst nach und nach in die Tiefe gehe. 

Elisabeth Egle: Was gefällt Ihnen am meisten am Unternehmertum?
Christopher Brückler: Sicher die freie Zeiteinteilung – die auch meinen Kunden zugutekommt, weil ich bei der Dauer der Behandlungen einfach flexibler bin als im fixen Zeitschema etwa in einem physikalischen Institut, wo alles auf die Minute geht. Ich mache nach jeder Massage eine Viertelstunde Pause, was mir eine gewisse Flexibilität und eine kurze Erholung bietet. Wenn man das nicht hat, ist man nach einem Sechs-Stunden-Dienst total kaputt. Nicht zuletzt ist Massieren ein körperlich sehr anstrengender Job, bei dem mit einer Fixanstellung eigentlich zu wenig rauskommt. Da stimmen einfach die Relationen nicht. 

Making of: Wein4tler Neudenker-Herausgeberin Elisabeth Egle und Christopher Brückler.

Mut, Selbstdisziplin – und ein Umfeld wie die Familie und die Freundin, die das mittragen.

Was braucht man zum Selbständig werden?
Mut, Selbstdisziplin – und ein Umfeld wie die Familie und die Freundin, die das mittragen. Denn der zeitliche Aufwand ist auf jeden Fall deutlich höher als bei einem Angestellten. 

Was hätten Sie gern, dass die Kunden über Sie sagen?
Der hat sich wirklich Zeit genommen und sich Gedanken darüber gemacht, was man machen kann, statt mich einfach irgendwie abzufertigen. 

Massage Christopher Brückler
Thayapark 29
2136 Laa an der Thaya
0650 878 9195
info@christopher-brueckler.at
www.christopher-brueckler.at