Christoph Bauer: Der Blaue Portugieser ist ein Rotwein mit Finesse

Christoph und Heidi Bauer bewirtschaften ihren Weinbaubetrieb in Jetzelsdorf im nördlichen Weinviertel nach organisch-biologischen Prinzipien und produzieren Weiß- und vor allem auch Rotweine, die zu den besten des Weinviertels gehören. Im Interview erzählen sie, warum die organisch-biologische Wirtschaftsweise für sie eine Lebenseinstellung und warum sie dem Blauen Portugieser, der ein wichtiger Bestandteil unserer Best Of Wein4tel-Weinviertler Wildsalami ist, auch in schwierigen Zeiten die Treue halten.

Interview: Klaus Egle, Fotos: Elisabeth Egle

Wenn ich einmal etwas mache, dann höre ich auch nicht gleich auf, wenn es einmal ein bisschen schlechter geht. 

Klaus Egle: Warum die Entscheidung, organisch-biologisch zu arbeiten?
Christoph: Auf unserer Hochzeitsreise waren wir in einem Bio-Hotel und waren fast ein bisschen Außenseiter, weil wir keine Bio-Winzer waren. 
Heidi: Es ist für uns schon eine Lebenseinstellung. Für mich war das ein Knackpunkt wie die Kinder da waren. Die haben dann im Weingarten herumgespielt, wo man vorher Glyphosat gespritzt hat und da denkst Du Dir dann: Da passt irgendwas nicht. 
Christoph: Das war so 2008, als unser Sohn auf die Welt gekommen ist und da kam die Erkenntnis, dass es einerseits für die Qualität positiv ist und es andererseits wichtig ist, dass wir unseren Kindern einen gesunden und fruchtbaren Boden hinterlassen. 
Heidi: Es ändert sich dann der ganze Zugang. Im Weingarten machen wir ja sehr viel mit Handarbeit und das fühlt sich einfach ganz anders an. 

Die Best Of Wein4tel Wildsalami verfeinert mit Blauem Portugieser.

Klaus Egle: Was macht man anders, wenn man biodynamisch arbeitet?
Christoph: Es ist auch ein Selbstschutz, weil man ja als Winzer ständig mit diesen Mitteln hantieren muss, was ich nie gern gemacht habe. Als Bio-Winzer hast du als Spritzmittel nur noch Schwefel und Kupfer zur Verfügung, dazu ein bisschen Backpulver und ansonsten pflanzliche Mittel wie Auszüge oder Tees. Der Schwefel ist ein wichtiger Nährstoff für die Pflanzen, das Kupfer ist im Bio-Weinbau immer ein bisschen negativ behaftet, weil es natürlich giftig ist, aber die verwendeten Mengen sind so gering, dass es wirklich nicht problematisch ist.

Christoph: Gegen die Trockenheit kann man nicht viel tun, gegen die frühe Reife viel eher, in dem man zum Beispiel hitzeempfindliche Sorten in kühlere Lagen pflanzt. Aber man kann natürlich schauen, dass man den Boden feucht und kühl hält, solange es geht. Ich kann im Frühjahr den Boden im Weingarten mit Stroh bedecken, dann habe ich keine Wasserkonkurrenz durch eine Begrünung. Wir fahren da ein Mischkonzept, eine Reihe Stroh, eine Reihe Begrünung mit einer speziellen Mischung von Pflanzen, die wenig Wasser brauchen und nicht zu hoch werden. Die mähen wir mit dem Balkenmäher und lassen den Mulch dann einfach liegen.   

Die größte Schwäche vom Blauen Portugieser ist, dass er eine Diva ist. Er ist eigentlich gegen alles empfindlich, was es gibt.

Klaus Egle: Der Blaue Portugieser war in der Region einmal eine sehr wichtige Rebsorte, dann ist er ziemlich von der Bildfläche verschwunden. Warum ist er für euch trotzdem wichtig?
Christoph: Wir haben doch noch einiges an alten Weingärten vom Blauen Portugieser und wenn ich einmal etwas mache, dann höre ich auch nicht gleich auf, wenn es einmal ein bisschen schlechter geht. Wir haben schon einen langen Atem aber den braucht man ja als Winzer generell. Der Blaue Portugieser lief als fruchtiger, schön zu trinkender Rotwein bei uns lange so mit und er hatte immer seine Kunden, die genau diesen Weinstil schätzen.

Klaus Egle: Wie können wir uns diesen Weinstil vorstellen?
Christoph: Ich habe den Blauen Portugieser ganz klassisch, lange im großen Holzfass ausgebaut und das hat mir die Augen geöffnet, dass der reine Ausbau im Stahltank für diese Sorte nicht das Beste ist. Dann kam der Jahrgang 2015 und brachte uns einen Wein, der für unseren normalen Portugieser viel zu schwer und zu tanninreich war. Das war der Startschuss für eine zweite Linie und das war dann der Blaue Portugieser „Privat“, der 18 Monate im Holzfass reift. 

Der Blaue Portugieser hat dünne Schalen, also weniger Gerbstoff und große Beeren und ist eine der besten Rotweintrauben zum Essen, weil er so mild und saftig ist. Und diese milde Säure war sicher ein wesentlicher Grund dafür, warum er früher so beliebt war.

Wein4tler Neudenker-Gründer Klaus Egle ist als Weinjournalist in seinem Element, wenn er sich mit Bio-Winzer Christoph austauscht.

Der Blaue Portugieser ist eine Sorte, die feine und elegante Rotweine bringt und die kein neues Holz verträgt.

Klaus Egle: …und der bei einer Verkostung des renommierten Falstaff-Magazins zum besten Blauen Portugieser des Landes gekürt wurde. Aber was sind eigentlich die Stärken des Blauen Portugiesers, was seine Schwächen?
Christoph: Die größte Schwäche ist, dass er eine Diva ist. Er ist eigentlich gegen alles empfindlich, was es gibt. Beim Zweigelt hat man einen sicheren Ertrag und jedes Jahr ungefähr dasselbe Zucker-Säureverhältnis, beim Portugieser ist jedes Jahr alles anders. Darum schmeckt man aber auch die Jahrgangsunterschiede viel stärker heraus. Im Bio-Weinbau ist er eigentlich ein Horror, weil er so anfällig für Oidium (echter Mehltau) ist. Aber wenn das Jahr passt, hat er eine wunderschöne, feine Aromatik, die, wenn er dann eine gewisse Reife hat, sogar ein bisschen in Richtung Pinot Noir geht. Allerdings dürfen die Erträge nicht zu hoch sein, sonst wird er zu dünn. 

Klaus Egle: Es ist also durchaus ein Rotwein mit Finesse?
Christoph: Ja, er hat dünne Schalen, also weniger Gerbstoff und große Beeren und ist eine der besten Rotweintrauben zum Essen, weil er so mild und saftig ist. Und diese milde Säure war sicher ein wesentlicher Grund dafür, warum er früher so beliebt war. Zweigelt gab es nicht, nur Blaufränkisch und wenn der dann ohne Säureabbau drei Promille mehr Säure hat als der Portugieser und man zehn Jahre warten muss, bis er trinkbar ist, dann war der Portugieser, den man schon nach einem Jahr verkaufen konnte, eindeutig im Vorteil.

Die Bio-Wirtschaftsweise ist für Heidi und Christoph Bauer eine Lebenseinstellung. Das gefällt Wein4tler Neudenker-Gründerin Elisabeth Egle gut.

Man kann die Schraube von zwei Seiten drehen – Ich kann einen Weingarten raushauen oder ich kann zum Beispiel schauen, wo ich einen Blauen Portugieser verkaufen kann.

Klaus Egle: Und warum ging es dann mit der Sorte bergab?
Christoph: Der Image-Verlust begann in den 90er Jahren, als man begonnen hat, Rotwein in Barriques auszubauen und fette, gerbstoffreiche Weine Mode wurden. Das kann der Blaue Portugieser nicht, er ist eine Sorte, die feine und elegante Rotweine bringt und die kein neues Holz verträgt – das überlagert den Geschmack total. 

Klaus Egle: Biodynamie, das Festhalten an Außenseiter-Rebsorten… klingt alles nett und romantisch. Aber kann man sich das auch leisten, wenn man vom Weinbau lebt?
Christoph: Natürlich muss man schauen, dass man das, was im Weingarten steht, auch verkaufen kann. Aber man kann die Schraube von zwei Seiten drehen. Ich kann einen Weingarten raushauen oder ich kann zum Beispiel schauen, wo ich einen Blauen Portugieser verkaufen kann. Wir glauben an eine künftige Renaissance des Blauen Portugiesers aber wir wissen nicht, ob die in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren kommen wird. 

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