Betti und Michael Sebestian-Hübsch: Eine Entrepreneur-Liebesgeschichte

Wenn es brennt, werden sie angerufen: Betti und Michael Sebestian-Hübsch, beide spezialisiert auf aufwändige Holzrestaurierung in der Denkmalpflege. Sie sind gelernte Tischler, haben zusammen lange viele Restauratoren-Großprojekte in Österreich betreut, sich dann lieben gelernt und vor einigen Jahren ihr Zuhause bei Gänserndorf begründet. In Gänserndorf selbst bieten sie seit 2018 neben vielen feinen Waren und Produkten aus den Bereichen Design und Handmade in ihrer Wohnboutique „Echt Hübsch Wohnsachen“ auch individuelle Farbberatung, Upcycling, Möbeltapezierung und Stoffe an. Jetzt sind sie mit ihrem Geschäft 150 Meter hinauf an die Adresse „Bahnstraße 1“ gezogen. Wir wollten mehr über ihre Pläne wissen. 

Interview: Elisabeth Egle/Fotos: Klaus Egle

Wir machen schon noch Bau-Restaurierungen. Zum Beispiel für die Albertina.

Michael Sebestian-Hübsch

Elisabeth Egle: Was bringt eine Kunsttischlerin und einen Restaurator dazu, in Gänserndorf einen Laden mit Wohnsachen aufzumachen?
Betti Sebestian-Hübsch: Wir haben über viele Jahre hinweg intensive Baurestaurierung auf Großbaustellen geleitet und betrieben, die sehr anstrengend ist und sich über Jahre hinweg ziehen kann. Als unser erster Sohn auf die Welt kam, haben wir beschlossen, uns mehr zurückzunehmen. 
Michael Sebestian-Hübsch: Wir machen schon noch Bau-Restaurierungen. Zum Beispiel für die Albertina und die Hofburg, die Kirche oder Museen, aber nicht mehr so große und umfangreiche. Dann hat es noch ein paar Anläufe gebraucht und vor drei Jahren haben wir unser Geschäft in Gänserndorf aufgesperrt. 

Wir sind sehr gut vernetzt und empfehlen weiter.

Betti Sebestian-Hübsch

Elisabeth Egle: Das Haus gehört euch aber nicht.
Michael Sebestian-Hübsch:  
Die Gemeinde hat das Haus gekauft, wir haben einen langfristigen Mietvertrag. Als ich von dem Kauf erfahren habe, habe ich den Bürgermeister gefragt, was sie damit vorhaben. Er hat mir von seiner Vision erzählt, und hat es zugelassen, dass wir uns mit einem Plan „einmischen“. Nach unseren gemeinsamen Plänen und Vorstellungen hat die Stadtgemeinde das Haus dann kernsaniert. Es ist so konzipiert, dass jeder andere das Haus als Geschäftslokal nutzen kann, sollten wir einmal ausziehen. Damit bleibt es wirtschaftlich nutzbar. 
Betti Sebestian-Hübsch: Unser Part war die Innenausstattung und Instandsetzung des Altbestandes. Es wäre auch möglich gewesen, hier einfach einzuziehen. Für einen Restaurator ist das aber nicht möglich. 

Hier kommt alles zusammen.

Betti Sebestian-Hübsch

Elisabeth Egle: Wir gratulieren zu soviel Geschick und Geschmack. Ihr habt viele Talente, die ihr anbietet. Welches macht Euch am meisten Spaß? 
Betti Sebestian-Hübsch: Hier kommt alles zusammen. Wir sehen das als etwas Ganzes und unseren Laden als einen inspirierenden Ort. Dazu gehören auch die Stoffe und die Farben. 
Michael Sebestian-Hübsch: Der Gedanke war der, das Alte mit dem Neuen zu verbinden. Viele Leute haben alte Sachen zuhause, die technisch in Ordnung sind, können aber damit nichts anfangen. Da kommen wir mit der klassischen Restaurierung oder einem Upcycling ins Spiel und ermöglichen den Dingen ein Weiterleben. Eine Kreidefarbe, wie die von Annie Sloane bei uns, wird seit Jahrhunderten verwendet. Ich habe in der Restaurierung den nachhaltigsten Job, den es gibt – ich erhalte alles, was alt ist.

Elisabeth Egle: Das kostet aber.
Michael Sebestian-Hübsch: Wir fragen unsere Kunden, was ist ihr Ziel und was stellen sie sich vor? Muss es jetzt top restauriert sein, oder reicht es, sehr salopp gesagt, dass es nicht mehr wackelt
Betti Sebestian-Hübsch: Eine Kundin hatte in der Küche eine Sitzbank, die sie sehr mag. Sie hat sich den teuersten Stoff für einen Neubezug ausgesucht, weil sie genau diesen einen Stoff für ihre Bank haben wollte. 

Der Bürgermeister hat mir von seiner Vision erzählt, und hat es zugelassen, dass wir uns mit einem Plan „einmischen“.

Michael Sebestian-Hübsch

Elisabeth Egle: Hilft euch der Nachhaltigkeits-Trend?
Michael Sebestian-Hübsch:
 Ja, steigendes Umweltbewusstsein und nachhaltiger Lifestyle helfen uns sehr. Das ändert die Wohn-Ansichten. Diese Themen müssen wir noch mehr forcieren. Es kommen schon viele Leute aus Wien über Wolkersdorf bis aus dem Raum Mistelbach aufgrund dessen zu uns. Weil, es gibt bei uns so vieles. Wir sind kein klassischer Raumausstatter – wir lassen den Kunden seine Geschichte erzählen und geben ihm ein Konzept dazu.

Elisabeth Egle: Wer mag eure Sachen hier? 
Betti Sebestian-Hübsch: Wir haben ein komplett gemischtes Publikum. Das sind Kunden, die einfach nur ein Geschenk suchen, andere suchen ökologische Wandfarben oder wollen ihre  Massivholzmöbel neu bemalen – wir haben für alle individuelle Wohnsachen. 
Michael Sebestian-Hübsch: Die Leute beschäftigen sich viel mehr mit ihrem Zuhause. Wir haben zwei Mitarbeiterinnen, die eine macht die Stoff- und Farbberatung, die andere kümmert sich um den Verkauf, ich mache den Part mit den Restaurierungen und Betti ist die Kunsthandwerkerin, macht die Workshops und Arbeiten bei und mit den Kunden.

Betti Sebestian-Hübsch und Wein4tler Neudenker-Gründerin Elisabeth Egle teilen die Leidenschaft für Upcycling.

Handwerk ist wichtig, man braucht es immer. 

Michael Sebestian-Hübsch

Elisabeth Egle: Wo holt ihr euch die Inspirationen? 
Betti Sebestian-Hübsch: Bei Michael kommt es aus der Restaurierarbeit, bei mir im Schlaf. 

Elisabeth Egle: Ist es wichtig sich für schöne Dinge einzusetzen? 
Betti Sebestian-Hübsch: Ja, auf jeden Fall, Ich sage immer „Dinge schöner machen“.
Michael Sebestian-Hübsch: In der Restaurierung lernst du, es gibt fast nichts, was nicht irgendwann im Lauf der Zeit verändert wurde. Jede Zeit hat ihren eigenen Geschmack und Blick auf Schönes.


Das scheint ja alles gut zu klappen. Wie sieht euer optimales Wohnkonzept aus?
Betti Sebestian-Hübsch:
 Wir versuchen, Wünschen nahe zu kommen, machen und können aber nicht alles. Wir sind sehr gut vernetzt und empfehlen die Leute auch weiter, wenn wir etwas nicht machen können.  
Michael Sebestian-Hübsch: Grundsätzlich gibt es keines, aber es gibt Dinge, die spielen schon mit hinein. Für mich zum Beispiel wäre es ein Ausblick in einen Auwald vom Wohnzimmer aus. Es ist nun einmal so – verschiedene Dinge machen verschiedene Leute glücklich. 

Elisabeth Egle: Es heißt, traditionelles Handwerk hat goldenen Boden. Stimmt das noch?
Michael Sebestian-Hübsch: Handwerk ist wichtig, man braucht es immer. Ich sage es einmal so: Derjenige, der es jetzt in der ganzen Pandemiezeit wirtschaftlich geschafft hat, der schafft es auch weiter gut

Echt Hübsch Wohnsachen
Bahnstraße 1
2230 Gänserndorf
office@echt-huebsch-wohnsachen.at
Tel.: +43 2282 60829
www.echt-huebsch-wohnsachen.at

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Mo geschlossen
Di bis Fr 9:30 – 18.00 h/Sa 9.00 – 12.00 h

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