Bei Bernd Hamal trifft Nachhaltigkeit auf Innovation

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Kunst-Daubenmacher Bernd Hamal und seine Frau und Geschäftspartnerin, Elisabeth, haben vor 10 Jahren ohne einen bestimmten Plan begonnen und schaffen heute mit ihren Lifestyle-Produkten ein Stück Weinkeller für zuhause. 

Interview: Elisabeth Egle und Klaus Egle, Fotos: merkenswert Marketing & Kommunikation

Wir schaffen ein Stück Weinkeller für zuhause.

Bernd Hamal, das Unternehmen „Original Weindaube“ feiert 10 Jahre. Wir gratulieren und sind neugierig, wie das geht? 
Es waren intensive 10 Jahre, in denen wir unsere kunsthandwerklichen Kompetenzen weiterentwickeln konnten. Auch, dass wir mit unseren „alten“ Produkten Menschen begeistern freut uns immer wieder. Es ist uns ein Anliegen Kunsthandwerk zu erhalten. Von großem Vorteil war, dass mein Vater und Großvater Tischler waren und ich somit maschinell vorbelastet war.

Wie kommt man auf die Idee, zu sagen, ich mache ein Wohnzimmerregal für meine Weine und mache das dann genau aus Fassdauben, weil das so lässig ist?
Seit vielen Jahren fahren wir jedes Jahr nach Südtirol und besuchen dort Weingüter- und Kellereien. 2010 hatten wir wieder Wein eingekauft und beim Heimfahren kam die Frage auf, wie wir im Wohnzimmer den Rotwein platzieren könnten, damit wir ihn auch sehen. Wir haben online recherchiert, uns hat aber nichts wirklich gefallen Ein befreundeter Winzer hat uns dann ein altes Weinfass gegeben, ich habe es zerlegt und nach ungefähr 15 Versuchen hatte ich meinen ersten Weinflaschenhalter aus Fassdauben für fünf Rotweinflaschen fertig.

Re-Furbishing, Re-Use, Upcyling. Mit Ihren Produkten aus gebrauchten Fassdauben liegen Sie voll im Trend. Bei Ihnen würden wir sagen „Nachhaltigkeit trifft auf Innovation“. 
Ja, wir schauen immer, dass wir etwas Altes mit etwas Neuem verbinden. Dass wir ein Stück Weinkeller für zuhause schaffen. Denn wer kann schon einen ganzen Weinkeller sein eigen nennen? Wichtig ist uns auch, dass unsere Objekte immer einen Deko- und Nutzeffekt haben – und das mit Herkunftsnachweis. Damit unsere Kunden wissen, woher das Fass stammt und was seine Geschichte ist.

Wie kommen Sie zu Ihren Fässern?
Am Anfang bekam ich ein paar Fässer von Nachbarn und Bekannten – die waren zum Glück trocken und so konnte ich gleich starten. Ein Fass, das direkt aus dem Keller kommt, muss nämlich mindestens zwei Jahre trocknen, bevor ich es verarbeiten kann – da bin ich aber erst später draufgekommen. Dann habe ich die ersten Jahre nur Fässer über verschiedene Kontakte und Plattformen gekauft. Ich fahre hin und entscheide, ob ich das Fass brauchen kann. 
Das hängt auch sehr stark von der Größe ab. Die meisten sind 2000 Liter-Fässer. Barrique-Fässer sind auch okay, wenn jemand das möchte, diese haben jedoch ihres jungen Alters wieder einen ganz anderen Charakter.

Irgendwann muss man sich entscheiden, da kommt der „point of no return“.

Was ist Ihre Berufsbezeichnung? 
Mittlerweile würde ich sagen „Daubenkünstler“. Ich mache Erzeugung von kunstgewerblichen Gegenständen, so lautet die Gewerbebezeichnung, und somit Kunsthandwerker. Unsere „Original Weindauben“ unterliegen beim Patentamt dem eingetragenen Musterschutz.

Die Nachfrage ist groß, der Mitbewerb sicher auch, werden Ihre Objekte kopiert?
Ja, der Markt ist inzwischen gewachsen, es gibt viele Mitbewerber und ab und zu schalten wir unseren Rechtsanwalt ein, der den Plagiaten nachgeht.

Sie haben mit „Original Weindauben“ als Nebenberuf begonnen. 
Richtig. Wir hatten keine hohen Erwartungen. Unser Ziel war es, einen Weinaufsteller pro Monat zu verkaufen. Dann wurde es immer mehr. Und irgendwann muss man sich entscheiden, da kommt der „point of no return.“ Meine Frau hat mich dabei immer unterstützt, nach dem Motto „G’scheit oder gar nicht“.

Ein Lifestyle-Produkt verlangt nach einem hochwertigen Werbeauftritt. Haben Sie da von Beginn an investiert?
Wir haben damals gesagt, wir wollen keine „0815-Homepage“ haben. 2010 war eine Website zu programmieren verglichen mit heute deutlich teurer, und wir mussten noch alles außer Haus geben. Jetzt arbeiten mir mit einem fertigen Website-System. Nur die Fotos, die hochwertig sein müssen, lassen wir fotografieren. 

Rund um den Wein wurde inzwischen eine komplette Lifestyle-Welt aufgebaut. Da sind wir vorne mit dabei. 

Gab es am Anfang eine Strategie?
Was ich 2010 nicht hatte, war ein klar definierter Plan und ich hätte auch nicht gedacht, dass das so angenommen wird. Der Wein hat schon vor über 10 Jahren einen hohen Stellenwert gehabt. Und das, was wir machen, ist ein herrliches Beiwerk mit einer schönen Geschichte. Der Stellenwert des Weines strahlt auch auf unsere Produkte ab. Rund um den Wein wurde inzwischen eine komplette Lifestyle-Welt aufgebaut. Da sind wir vorne mit dabei. 

Wie lange hat es gedauert, bis ihr euch am Markt mit eurer Idee durchgesetzt habt?
Da hat schon drei bis vier Jahre gedauert. Also dass jemand gezielt überlegt hat, so etwas suche ich und da gibt es jemanden, der das hat. 

Seit kurzem gibt es einen Shop. Merkt ihr da einen Unterschied im Verkauf?
Noch nicht wirklich, da wir individuelle Sachen haben. Da ist nichts von der Stange dabei. Wenn ein Kunde einen Weinaufsteller will, bekommt er drei mit verschiedenem Farbton und Maserung zur Auswahl und sucht sich einen aus. 

Wir haben den Eindruck, dass ihr ganz stark online aktiv seid. Wie läuft die Kommunikation für den Vertrieb?
Das Grundvertriebskonzept ist das Internet. Dort erzeugen wir auch den „Buzz“. Wir sind auf Facebook, Instagram und Pinterest. Die Leute schreiben uns ein Email, rufen an oder kommen über Mundpropaganda zu uns. Im Weinmarkt Poysdorf,  Althof Retz und Loisium in Langenlois sind wir auch vertreten.

Wäre der urbane Raum als Standort für Euer hochwertiges Lifestyle-Produkt nicht optimaler?
Die richtigen Kunden finden uns auch so, weil sie ein Stück mit Geschichte, mit Tradition und Bezug zu unserer Region, kurzum ein Stück Weinkeller für zuhause, suchen. Was wir machen, ist ein sehr persönliches Geschäft, die Kunden wollen mit uns sprechen.

Bernd Hamal reinigt eine Fassdaube, Foto von merkenswert Marketing und Kommunikation

Ihr habt nun einen Vertriebspartner in Wien gefunden. Wie läuft das?
Das ist der Concept-Store „Decoo Lifestyle“ in der Stiftgasse im siebten Bezirk. Das perfekte Umfeld für uns. Da war der Zufall im Spiel, dass wir uns kennengelernt haben. Unsere Sachen werden dort aktiv angeboten und wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit. 

Stehe hinter deinem Produkt, dann kannst du alles verkaufen und arbeite fleißig.

Möchten Sie wachsen?
Es passt gut, wie es jetzt ist. Wir hatten letztes Jahr eine Anfrage wegen eines Praktikums und mussten leider ablehnen, da wir die Auflagen für Arbeiter und Angestellte, wie zum Beispiel einen Sozialraum zu haben, nicht erfüllen. Das macht es schwierig für uns Einzelunternehmer. Mit einem Freelancer würde es gehen. 

Was ist Ihnen wichtig am Unternehmersein?
Für mich muss immer die „work-life-balance“ passen. Das Familienleben muss da auch Platz haben.

Was würden Sie einem jungen Gründer raten?
Stehe hinter deinem Produkt, dann kannst du alles verkaufen – und arbeite fleißig. Ohne richtig zu arbeiten geht gar nichts. 

Original Weindaube
Bernd Hamal
Ruinenblick 7
2134 Enzersdorf bei Staatz,
+ 43 (0) 650 30 37 727
+ 43 (0) 664 54 91 640
info@original-weindaube.at
www.original-weindaube.at

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