Auf einen Kaffee nach Znojmo, deutsch Znaim

So wirklich um die Ecke liegt Znaim nicht, wenn man von Staatz kommt. Feiert man Silvester im Weinberg 6 in Unterretzbach, ist es ein Katzensprung. Znaim wollten wir schon lange besuchen. Am ersten Tag des neuen Jahres zusammen mit unseren Gastgebern und Wein4tler Neudenkern Maria und Bernhard Forstreiter auf einen Kaffee in die schöne Grenzstadt zu fahren, ist schon etwas Besonderes.

Text & Fotos: Elisabeth Egle

Großartiger Blick von der Znaimer Rotunde der Heiligen Jungfrau Maria und der Heiligen Katharina aus hinab auf die aufgestaute Thaya.
Die Geschichte des Bierbrauens in Znaim beginnt bereits im 14. Jahrhundert. Die prächtige gotische St. Nikolaus-Kirche ist innen mit Dekor zurückhaltend.
Ein K&K-Kanaldeckel mit dem Hinweis in Deutsch „Öffnung“ vor der Städtischen Znaimer Bierbrauerei.

Besonders schön

Znaim hat viele Besonderheiten. So liegt es schon einmal besonders schön auf einem riesigen Fels oberhalb der Thaya (tschechisch Dyje), wo die letzten Ausläufer der Böhmisch-Mährischen Höhe allmählich in ebenes Flachland der Thaya-Schwarza-Talsenke übergehen. Mehrmals wurde die Stadt von tschechischen und mährischen Königen und Markgrafen eingenommen. Seit dem Anfang des 11. Jahrhunderts gewann die ehemalige Königsstadt aufgrund der Nähe zur österreichischen Grenze und dem von Prag nach Wien führenden Handelsweg zunehmend an Bedeutung.

Die Znaimer Burg hat eine außergewöhnliche Lage oben am Fels und beherbergt heute das Südmährische Museum.

Auf Schritt und Tritt Kulturgeschichte

Nur in wenigen Städten Tschechiens sind so viele Renaissance-Bürgerhäuser erhalten geblieben wie in Znaim. Am besten geht man zu Fuß durch die hügelige Altstadt. Immer wieder entdecken wir das metallene Symbol der Rotunde, das im Boden eingelassen ist. Es weist den Weg zur wahren Hauptsehenswürdigkeit der Stadt. Was uns an den Häusern auffällt, sind die zwei unterschiedlichen Hausnummern in den Farben Rot und Blau. Das Geheimnis lautet „Konskriptionsnummer“ und ist nicht bloß ein tschechisches Phänomen. Diese Nummerierung wurde im Habsburgerreich allgemein eingeführt und bezeichnet die Reihenfolge des Bauzeitpunkts in der gesamten Stadt. Irgendwann hat irgendwer dann die Ordnungszahlen zur Orientierung eingeführt. Sie beziehen sich auf die Straße und Reihenfolge der Häuser.

Der Znaimer Hauptplatz

Und spätestens, wenn man auf dem Hauptplatz von Znaim steht, denkt man natürlich an Retz. Mit dem deutlich sichtbaren Unterschied, dass ein riesiger Konsum den Platz dominiert. Man kann es auch so sehen: Auf diesem Platz ist immer etwas los. Wir lassen uns davon in unserer Schwelgerei für Znaim ohnedies nicht beirren und machen uns einen „Guckloch-Fotospaß“ mit einem fröhlichen Winterbild von Josef Lada. Der berühmte tschechische Künstler illustrierte 121 Kinderbücher sowie 197 Bücher für Erwachsene und gestaltete Umschläge für 18 Kinderbücher und 51 sonstige Bände. Ihn kennt man außerhalb Tschechiens durch seine Illustrationen zum Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“. Uns gefällt das.

Bitte lächeln heißt es für Maria und Bernhard Forstreiter.
Und wie die Schneekönige freuen sich Elisabeth und Klaus Egle.

Biologie am Zaun

Ein Aha-Erlebnis in der Nähe der Rotunde hängt am prächtigen Zaun aus Schmiedeeisen des Znaimer Gymnasiums: Der Biologe und „Vater der Genetik“ Gregor Johann Mendel unterrichtete dort als Aushilfslehrer Mathematik und Griechisch im Jahr 1949. Man erzählt, er führte seine ersten Kreuzungs-versuche mit Erbsen und Bohnen im Schulgarten durch. Was für ein Glück für die Wissenschaft, dass Herr Mendel die Lehramtsprüfung nicht bestand – so konnte er seine Studien an der Universität in Wien fortsetzen.

Der Kaffeegenuss

Wie der Kaffee war? Er hat uns begeistert und die Karte nach Wiener Kaffeehauskultur auch. Der Cheesecake war cremig, unwiderstehlich und schnell weg bei unserem Kaffeekränzchen im schönen „Café“ am Platz gegenüber vom Schuhhaus Bata. Wir werden bald wieder auf einen Kaffee im schicken Gastraum mit seinem Gewölbe kommen.

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